Stratzingerin entdeckt Schwäche von Biowaffe. Jasmin Taubenschmid fand heraus, wie das Pflanzengift Rizin seine tödliche Wirkung nicht entfalten kann.

Von Thomas Werth. Erstellt am 26. September 2017 (05:38)
Jasmin Taubenschmid neben der Pflanze „Ricinus communis“, die auch in Parks wächst und aus deren Samen das Rizinusöl gewonnen wird.
NOEN, privat

Großer Erfolg für die Stratzingerin Jasmin Taubenschmid: Die Doktorandin am Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) in Wien hat zusammen mit Forscherkollegen die Schwäche des Pflanzengifts Rizin herausgefunden.

Rizin ist einer der giftigsten Eiweißstoffe, die es in der Natur gibt – und damit eine der gefährlichsten Biowaffen, welche schon beim Regenschirmattentat 1978 in London eingesetzt wurde. Auch an US-Präsident Barack Obama wurde ein Rizin-Attentat versucht, vergiftete Briefe wurden aber abgefangen.

Gegengift gibt es noch keines. Einmal im Organismus, entfaltet Rizin rasch seine tödliche Wirkung. Bereits winzige Dosen können innerhalb von 36 bis 72 Stunden zum Tod führen.

Seit einigen Jahren am IMBA

Die 28-Jährige liefert nun aber wichtige Erkenntnisse für ein Gegenmittel. Denn sie hat herausgefunden, dass Zucker das Rizin, das aus der Samenschale der „Ricinus communis“ (die auch in Vorgärten und Parks wächst) gewonnen wird, so tödlich macht. Sie identifizierte zwei Gene (Fut9 und Slc35c1), die einen besonderen Zuckerstoffwechsel in der Zelle regulieren („Fucose“) und die dem Gift Zugang zum Transportsystem der Zelle gewähren.

„Durch ein Blockieren der Gene – etwa durch ein künstlich hergestelltes Molekül – gelangt Rizin erst gar nicht an die Orte, wo es so großen Schaden anrichten kann. Denn dafür braucht das Gift eine charakteristische Zucker-Signatur an der Zellwand, an die es binden kann,“ so Taubenschmid, deren Forschung auch neue Erkenntnisse über die Liaison von Proteinen und Zucker liefert.

Taubenschmid, die mittlerweile ihren Lebensmittelpunkt nach Wien verlagert hat, hat am BRG Ringstraße in Krems 2007 maturiert und arbeitet nun seit einigen Jahren am IMBA, wo ihr aufgrund der „Aufgeschlossenheit unseres Gruppenleiters Josef Penninger neuen Projekten gegenüber“ erlaubt wurde, Rizin genauer zu untersuchen.