Interview: "Ein gutes Bier, eine gute Zeit". Das Märzen-/Lagerbier, die beliebteste Biersorte Österreichs, trat seinen weltweiten Siegeszug von Niederösterreich an. Das und noch einiges mehr erzählt Jutta Kaufmann-Kerschbaum, Geschäftsführerin des Brauereiverbandes Österreich, im Interview.

Erstellt am 30. September 2017 (04:59)
Jutta Kaufmann-Kerschbaum ist Geschäftsführerin des Brauereiverbandes Österreich, die Interessenvertretung der österreichischen gewerblichen Brauwirtschaft.
 
fotodienst/ Anna Rauchenberger

NÖN: Ein heißer Sommer mit vielen erfrischenden Bieren neigt sich dem Ende zu. Wie viel Bier trinken denn die Österreicher?

Jutta Kaufmann-Kerschbaum: Das Bierland Österreich verzeichnete im Jahr 2016 einen Gesamtausstoß von rund 9,5 Mio. Hektoliter. Umgerechnet entspricht dies rund 1,9 Milliarden Krügerl.

Und wie viel wird davon in Niederösterreich gebraut?

Kaufmann-Kerschbaum: Niederösterreich verfügt über 22 gewerbliche Brauereien sowie 33 Hausbrauereien.

Prost! 34 Prozent des jährlichen Bierausstoßes fand 2016 zusammengefasst in Niederösterreich, Wien und Burgenland statt. Danach folgt die Steiermark mit 30,3 Prozent.
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Was zeichnet allgemein ein gutes Bier aus?

Kaufmann-Kerschbaum: Ganz klar die reinen, natürlichen Rohstoffe von höchster Qualität aus der österreichischen Landwirtschaft. 2016 wurden rund 180.000 Tonnen Braugerste sowie rund 480 Tonnen Hopfen aus der österreichischen Landwirtschaft verarbeitet. Zudem aber natürlich auch die Leidenschaft unserer heimischen Braumeister. Sie sind die Spezialisten, wenn es um die Verknüpfung von Tradition und Innovation geht. Wir haben in Österreich über tausend verschiedene Biere − diese Geschmacksvielfalt und Sortendiversität zeichnet das Bierland Österreich aus.

Welche Art von Bier trinkt der Österreicher − und speziell der Niederösterreicher − besonders gerne?

Kaufmann-Kerschbaum: Allgemein ist das Märzen-/Lagerbier die beliebteste Biersorte in Österreich. Und auch in Niederösterreich wird diese am häufigsten getrunken. Vielleicht gerade auch deshalb, weil das Märzen-/ Lagerbier ja im jetzigen Niederösterreich, genauer in Schwechat, von Anton Dreher erfunden wurde und von dort seinen Siegeszug um die ganze Welt antrat. Das Bierland Österreich ist demnach die Wiege des beliebtesten Bierstils weltweit!

Und wie gestaltet sich für Sie der optimale Moment, ein Bier zu genießen?

Kaufmann-Kerschbaum: Am liebsten trinke ich ein Gläschen frisch gezapftes Pils an einem entspannten Wochenende in geselliger Runde. Das ist für mich der wahre Genuss.

Leichtbier, alkoholfreies Bier, Craftbier: Was sind Modegetränke und was hat sich nachhaltig am österreichischen Markt etabliert? Und wohin geht der Trend?

Kaufmann-Kerschbaum: Über viele Jahre hinweg ist der Radler stetig gewachsen und hat sich aktuell bei 6,9 Prozent am Bier-Gesamtausstoß eingependelt. Alkoholfreies Bier wird ebenso immer beliebter, auch weil die Brauereien hier das Angebot stetig erweitern. Besonders
alkoholfreies Weizenbier wird gerade stark nachgefragt. Abschließend darf man natürlich auch die gerade sehr angesagten Craftbiere oder Kreativbiere nicht vergessen, auch wenn diese mengenmäßig keine wirkliche Rolle spielen. Von neuen Hopfen- und alten Getreidesorten über das Reifen in Barrique-Fässern bis hin zur Beigabe von trendigen Zutaten wie Chili, Maroni oder Kräutern reicht die Palette an Bierspezialitäten, die die Sortenvielfalt des Bierlandes Österreich bereichern.

Was beschäftigt die Bier-Branche derzeit? Welche Herausforderungen sind gerade aktuell?

Kaufmann-Kerschbaum: Neben der österreichischen Landwirtschaft und dem Handel ist die Gastronomie langjähriger und unverzichtbarer Partner des Bierlandes Österreich. Die in den letzten Jahren zunehmende Belastung für traditionelle Wirts- und Gasthäuser – Stichwort Allergenverordnung, Registrierkassenpflicht oder Rauchverbot – ist für die österreichische Genusskultur, wie wir sie im Bierland Österreich seit Jahrhunderten pflegen und schätzen, sicher nicht förderlich.

 

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