Gemeinderats-Zwist um Jugendheim Lengenfeld. Gemeinde will Haus verkaufen, ÖVP-Opposition protestiert und will Objekt weiter für ihre Nachwuchsorganisation nützen.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 10. Dezember 2019 (04:37)
ÖVP-Chef Jürgen Meier, JVP-Obfrau Julia Ettenauer und ihr Stellvertreter Philipp Ettenauer sowie Jugendgemeinderat Christian Eilenberger (von links) vor dem als Jugendheim genützten ehemaligen Lengenfelder Milchhaus.
Martin Kalchhauser, Christian Leneis

„Kein Herz für die Jugend“ heißt es in Flugblatt und Facebook-Posting der ÖVP Lengenfeld, die sich im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf des seit 1982 als Jugendheim genutzten ehemaligen Milchhauses durch die Gemeinde auf die Koalition aus SPÖ und Bürgerliste einschießt.

Kopetzky spricht von „Vorwahlkampf“

In der Gemeinderatssitzung am Dienstag (10. Dezember) soll ein Grundsatzbeschluss fallen. Dagegen geht die ÖVP als Mieterin (die die Räume der Jungen ÖVP zur Verfügung stellt) auf die Barrikaden. Man habe über 35.000 Euro und zahlreiche Arbeitsstunden in das Objekt investiert, betonen ÖVP-Obmann Jürgen Meier, Jugendgemeinderat Christian Eilenberger und JVP-Obfrau Julia Ettenauer („Bei uns dürfen alle Jugendlichen herein, nicht nur JVP-Mitglieder!“) unisono.

Eine Weitervermietung des Hauses um 100 Euro/Monat plus Betriebskosten wie seit 2016 (damals hat die ÖVP als Mieter verlängert) sei im Gemeindevorstand abgelehnt worden. Mit 31. Dezember dieses Jahres läuft aber der Vertrag aus. Wenn bis dahin nichts passiert, fällt das Objekt an die Marktgemeinde zurück.

Bürgermeister Christian Kopetzky: Will bei Sitzung praktikablen Vorschlag unterbreiten.
Wodicka

Bürgermeister Christian Kopetzky (SPÖ) versteht die Aufregung nicht, will aber dazu nichts sagen. „Was im Vorstand besprochen wird, unterliegt der Verschwiegenheitspflicht!“

Es gebe einen praktikablen Vorschlag von seiner Seite, und dieser werde bei der Gemeinderatssitzung präsentiert. Seit drei Jahren habe sich die ÖVP nicht zur Zukunft des Hauses geäußert, was jetzt abgehe, sei aus seiner Sicht „Vorwahlkampf“.

Angebliches Angebot für Kauf durch Vize

Ebenfalls nichts sagen will wegen des Amtsgeheimnisses Vizebürgermeister Ernst Thaller (Bürgerliste) zur Causa – auch nicht dazu, dass er angeblich persönlich ein Kaufangebot für die Immobilie abgelegt hat. Allerdings gibt er grundsätzlich zu bedenken: „Wir haben 250 Bewohner zwischen 15 und 30 in der Gemeinde. Die sind nicht alle bei der Jungen ÖVP, und ein Jugendheim soll allen Jugendlichen zur Verfügung stehen!“