Erstellt am 19. August 2014, 00:01

Brückenkopf: Kriegsschauplatz, auf dem nie gekämpft wurde. Gedenkjahr / Krems im Ersten Weltkrieg: Vor genau 100 Jahren wurden Mobilisierungspläne zur Verteidigung des Donau-Übergangs umgesetzt. 34.000 Mann waren vorgesehen.

Ansichtskarte aus dem Jahr 1900: Die Kaiser-Franz-Joseph-Brücke hatte für die Monarchie große strategische Bedeutung.  |  NOEN, Archiv Hadrbolec

KREMS, MAUTERN /  Die letzten Jahre der Monarchie: Damals hieß der Donau-Übergang Krems-Mautern noch Kaiser-Franz-Joseph-Brücke und spielte eine große strategische Rolle.

Vor genau 100 Jahren, zu Beginn des Ersten Weltkrieges, richtete man sich auf die Verteidigung der Brücke ein. Lokalhistoriker Josef Hadrbolec hat für die NÖN die Ereignisse von damals zusammengefasst.

Vorgeschichte: Für Krems, Tulln, Wien, Pressburg, Komorn und Budapest wurden auf Befehl des Reichskriegsministe riums Projekte ausgearbeitet, die unter Generalstabschef von Beck (1881-1906) und seinem Nachfolger Conrad von Hötzendorf „für die Kriegsfälle gegen Russland, Italien, Balkan und einen Mehrfrontenkrieg“ geplant wurden.

Kanonen standen in Schussbereitschaft

Jahr für Jahr wurden die Mobilisierungspläne überarbeitet und verbessert. Am 22. August 1914 gelangten sie auch in Krems zur Ausführung. Ursprünglich war für den Brückenkopf Krems eine Mannschaft von rund 34.000 Mann vorgesehen.

Die Bewaffnung sollte unter anderem aus 100 9-Zentimeter-Feldkanonen, 24 12-Zentimeter-Kanonen und vier 15-Zentimeter-Mörsern bestehen. Diese Zahl wurde nie erreicht. Pro Kanone standen durchschnittlich 400 Schuss Munition bereit.

„Ein Drittel der Besatzung war in den Werken untergebracht, der Rest logierte in den Unterständen mit splittersicher gedeckten Kampfstellungen in einem Umkreis von fünf Kilometern rund um die Brücken“, heißt es in den historischen Berichten.

Und weiter: „Die beiden Donaubrücken waren für eine Sprengung vorbereitet. Das Munitionshauptmagazin befand sich im Steiner Eisenbahntunnel. In der Stadt Krems arbeitete eine eigene Festungsbäckerei. Die Verpflegungsreserven sollten für 14 Tage reichen. Durch die gewaltige Ausweitung des Krieges standen weder genügend Menschen noch Material zur Verfügung. So wurden im Sommer 1915 die Ausbauarbeiten verringert und am 1. Mai 1916 die Brückenkopfkommandos aufgelöst.“ 1945, also 31 Jahre später, wurden die Brücken dennoch gesprengt.

Hadrbolec: „Wenn es in den Weltkriegen auch keine direkten Kampfhandlungen rund um den Brückenkopf Krems gab, so waren die Auswirkungen für die hier lebenden und auch für die eingerückten Soldaten unvorstellbar.“

Durch die Initiative der „NÖ Militärhistorischen Gesellschaft“ werden Reste des Brückenkopfes erforscht und durch fachkundige Führungen wieder vorgestellt.

Außerdem werden zu diesem Thema beim „Tag der offenen Tür“ in der Julius-Raab-Kaserne am 6. September ebenfalls Pläne, Dokumente und Berichte von Zeitzeugen präsentiert.

(Quellen Staatsarchiv; „Befestigungen an der Donau“/Bertram M. Buchmann; „Die österreichische Donaulinie“/Hauptner)