Augenzeuge berichtet: Massaker von Stein überlebt. Nikos Mavrakis wurde 1945 in Stein exekutiert – und überlebte. Seine Schilderung des NS-Massakers ist nun erstmals auf Deutsch erschienen.

Von Petra Vock. Erstellt am 10. Mai 2020 (07:14)
Herausgeber Robert Streibel mit den Erinnerungen von Nikos Mavrakis, der das NS-Blutbad überlebte und fast 100 Jahre alt wurde.
privat

„Stellt euch nun an die Wand!“ Einer, dem dieser Befehl im Zuchthaus Stein galt, war der Grieche Nikos Mavrakis. Wie durch ein Wunder überlebte er die Erschießung, wurde fast 100 Jahre alt und starb erst 2014 in seiner Heimat Kreta.

75 Jahre nach dem NS-Massaker von Stein am 6. April 1945 hat der Kremser Historiker und Autor Robert Streibel nun Mavrakis‘ Erinnerungen herausgegeben – erstmals auf Deutsch und unter dem Titel „Widerstand in Griechenland und Stein. Die Geschichte des Nikos Mavrakis“ (Verlag Bibliothek der Provinz).

Aufgezeichnet wurden Mavrakis‘ mündliche Erinnerungen bereits 1984 auf Kreta von Antonis Sanoudakis. Streibel erfuhr davon, als der griechische Herausgeber mit ihm Kontakt aufnahm: „Er hat sich nach einer Werbung gemeldet, die ich im Internet geschaltet habe auf der Suche nach Familien von Häftlingen von Stein“, schildert Streibel. „Ich konnte das Geld für die Übersetzung auftreiben und den Verlag überzeugen, da ich es für ein besonderes Dokument halte.“ Das Nachwort enthält einen Kommentar von Streibel samt Schilderungen von zwei weiteren Überlebenden.