Geschichte der Stadt Gföhl: „Burg“ lokalisiert

Walter Enzinger befasst sich in neuem Werk mit Straßen- und Gassennamen.

Erstellt am 14. Januar 2022 | 06:43
Lesezeit: 2 Min

In seinem 17. herausgegebenen Buch befasst sich der Lokalhistoriker Walter Enzinger noch einmal ausführlich mit der Geschichte der Stadt Gföhl. Diesmal nimmt er die Gassen- und Straßennamen der Stadt unter die Lupe und lüftet ein Geheimnis aus dem zwölften Jahrhundert.

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Auf rund 160 Seiten arbeitete der Buchautor die Geschichte und die Namen von 81 Gassen, Straßen und Plätzen Gföhls auf. Die erste Häusernummerierung in Gföhl erfolgte auf Anordnung der Kaiserin Maria Theresia im Jahr 1771. Man zählte damals 79 Häuser, davon zehn in Alt Gföhl. Ab 1810 waren erste Gassennamen zu finden. Mit einer Vielzahl an Bildern und Fotos dokumentiert er ausführlich die Veränderungen des Bauensembles der Stadt im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte. „Straßennamen einer Stadt stellen ohne Zweifel einen Spiegel der Stadtgeschichte dar und sind eine unerlässliche Orientierungshilfe“, so Enzinger in der Einleitung seines Buches.

Mit historischen Straßenplänen macht er zudem die Entwicklung der Ausdehnung der heutigen Stadt Gföhl deutlich. Gföhl erlebte ab den 1950er-Jahren mit einem großen Bauboom einen Aufschwung. Viele Straßennamen entstanden im Volksmund, die sich vor allem an topografischen und naturräumlichen Gegebenheiten orientierten. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts bezog man in die Namensgebung auch ehemalige Bürgermeister, Künstler und Personen der Gföhler Geschichte mit ein. Gföhl ist mittlerweile auf rund 900 Haushalte angewachsen – Tendenz weiter steigend.

Regionale Verbindungen neu erforscht und aufgearbeitet

Eine wichtige Verbindung von Krems nach Zwettl führte über Droß und Gföhl – diese wurde „Kaiserstraße“, „Salzstraße“ und „Hochstraße“ genannt. In den Wurfenthalgraben gelangte man nur über einen Mühlweg, bis 1890 die Wurfenthalstraße im Anschluss an die Schlossergasse, wie sie damals genannt wurde, gebaut wurde. Im Jahr 1907 wurde wegen der Steilheit der heutigen Bergstraße – 1784 noch Cramerberg genannt – die Umfahrungsstraße gebaut.

Der uralte Fahrweg zur Königsalm, der schon 1588 nicht mehr befahrbar war und total in Vergessenheit geriet, wurde an einem 20 Meter langen Steinwurf wiederentdeckt.

Gföhler Hausberg hatte Eckturm und „Burg“

Enzinger gelang es auch, den von vielen Heimatforschern lange gesuchten „Öden Sitz“ eindeutig zu identifizieren. Weiters entdeckte der Lokalhistoriker im Zuge seiner Forschungs- und Recherchetätigkeit zu seinem neuen Buch die Reste eines Eckturms der Hausberganlage aus dem zwölften Jahrhundert.

Eine Sensation bedeutet die Lokalisierung der einst bestandenen und zum Hausberg gehörigen „Burg“ beziehungsweise des Edelmannsitzes in Gföhl. Enzinger konnte diese „Burg“ in der Nähe des Bayerlandplatzes, an dem das Gföhler Kino zu finden ist, lokalisieren. Mit ausführlichen Quellenangaben lässt der Autor in seinem Buch einen Blick hinter die Kulissen seiner Recherchetätigkeit zu.

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