Kremser Wirte schauen nach vorne. Wirte bauen aus und fordern Planungssicherheit. Hotels sind froh über jeden Geschäftsreisenden.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 24. Februar 2021 (05:07)
„Regelmäßige Abholungen helfen uns drüber“: Die „Schmankerl“-Wirte Anne-Maria Zeller und Markus Roller können nicht über zu wenige Abholungen klagen. Bei staatlichen Hilfen schauen sie aber unter anderem aufgrund zu kurzer Bestehensdauer durch die Finger.
Johannes Mayerhofer

Otto Raimitz, bekannter Gastronom mit mehreren Lokalen in Krems und St. Pölten, hat eine relativ hohe Schwelle, ab der er von „Leid“ sprechen will. „Leiden tut bei uns niemand, ich jedenfalls nicht“, sagt er.

Natürlich sei die Situation sehr angespannt in seiner Branche und 130 Mitarbeiter in Kurzarbeit zu haben, sei ebenfalls kein Spaß, vor allem für die Betroffenen. „Hinzu kommt, dass diese Situation schon länger anhält, aber im Parlament wird über allerlei Blödsinn und Korruptionsfälle debattiert. Dabei wäre es entscheidend, dass wir endlich ausreichend Impfstoff auf die Beine stellen“, ärgert er sich.

Mitarbeiter bleiben trotz Dauer-Kurzarbeit loyal

„Aber bei aller Kritik auch an den Hilfen für Betriebe, muss ich sagen: Bevor wir von ,Leid‘ sprechen, das ist ja ein sehr schwerer Begriff, sollten wir nur mal in andere EU-Länder schauen, wie dir da geholfen wird. In Rumänien schießen sie dir ,den nassen Fetzen ins Gesicht‘“, sagt der Gastronom.

„In wenigen Tagen fertig“: Gastronom Otto Raimitz und seine Verwaltungschefin Edith Widhalm geben dem neuen „Marktspiel“ momentan den letzten Schliff und blicken trotz Lockdown-Zick-Zack nach vorne. Stefan Horky von der Hadersdorfer „Färberstub’n“ erwartet sich eine klare politische Linie und Planungssicherheit. Wiedereröffnungen seien mit viel Vorbereitungsarbeit verbunden. Während im angeschlossenen Gasthaus „Funkstille“ herrscht, begrüßt das Hotel Klinglhuber wöchentlich Geschäftsreisende. Finanziell „gehe sich noch alles aus“. Aber man hofft auf Normalisierung.
Johannes Mayerhofer

Er blicke positiv in die Zukunft, sei momentan auch mit den letzten Arbeiten an seinem neuen Lokal „Marktspiel“ beschäftigt, welches er um die Osterzeit aufsperren werde, so dies gesundheitspolitisch zugelassen wird. „Ich werde auch alle Auflagen mit vollem Verständnis mittragen.“ Immer wieder ist zu lesen, dass Gastro-Mitarbeiter die dauerhafte Kurzarbeit und den Entfall von Trinkgeldern nicht mehr mittragen wollten und sich in andere Branchen verabschiedeten. Davon sei, so Raimitz, in seinen Betrieben aber nichts zu spüren.

Abholungen nicht nur von Stammkunden

Nur einen Steinwurf vom „Marktspiel“ entfernt, steht am Täglichen Markt das „Schmankerl“. Hier sitzen die Wirte Markus Roller und Anne-Maria Zeller. „Das ,Schmankerl‘ ist aufgrund der zentralen Lage relativ privilegiert“, erklärt Roller. „Wir sind hier im Grunde stark am Auskochen, es gibt also Abholungen.“ Dabei handle es sich nicht nur um die Stammkundschaft. „Es kommen auch Leute, die normalerweise bei Lokalen bestellen, bei denen das Licht momentan vollständig aus ist“, so Roller.

Einen wunden Punkt trifft bei ihm die Frage der staatlichen Hilfen. „Dafür braucht man ja Vergleichsbeträge aus vorangegangenen Jahren. Und da ich meinen Betrieb hier erst letzten Mai eröffnet habe und meine anderen Betriebe in Krems und Rossatzbach Saisonbetriebe sind, die im Winter sowieso nie offen hatten, gibt es für mich weder Fixkostenzuschuss noch Umsatzkompensation“, erklärt Roller die Lage. Sorge um Mitarbeiterbestände braucht er sich immerhin nicht machen, da es sich um familiär geführte Betriebe handelt. Ebenso froh sei er, dass sie auf Eigenfinanzierung fußen und er mit keiner Bank über Rückzahlungsstundungen verhandeln muss.

Ärger über Zick-Zack-Kurs der Politik

Stefan Horky, Chef der „Färberstub’n“ in Hadersdorf, beklagt nicht den Lockdown an sich, aber vorrangig den Zick-Zack-Kurs der Politik. „Ich brauche als Gastronom Planungssicherheit, das heißt ein fixes Datum, wo ich weiß, dass es wieder losgeht und wo wir dann auch offen halten können.“ Es müssen immerhin das Restaurant geputzt und kundentauglich gemacht sowie Bestellungen getätigt werden.

Während beim Gasthaus Klinglhuber völlige „Funkstille“ herrscht, freut sich Astrid Klinglhuber-Berger, dass es zumindest im Hotel Nachfrage vonseiten der Geschäftsreisenden gibt. Dies seien meist Vertreter, Monteure, Geschäftsreisende aus Österreich, ab und zu auch aus Deutschland. Klinglhuber-Berger betont auch das gute Verhältnis zur Bank, es seien also keine finanziellen Probleme durch Zahlungsforderungen zu spüren.

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