Kremser Spital rüstet sich für Anstieg. Krems hat eine 7-Tage-Inzidenz von über 360. Krankenhaus hat „umfangreiche Vorkehrungen“ getroffen.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 15. September 2021 (06:02)
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Aktuell werden im Klinikum Krems acht Corona-Patienten behandelt. Zwei davon auf der Intensivstation.
Lechner, Kalchhauser, Donau-Uni

Die Alarmglocken schrillen in Krems. Mit einer 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner von 362,4 war die Statutarstadt am Dienstag den vierten Tag in Folge österreichweiter Spitzenreiter im Ranking der Bezirke. Und das mit deutlichem Abstand. Braunau (324) und Scheibbs (283,9) folgen auf den Plätzen zwei und drei.

Im Universitätsklinikum Krems schlagen sich die steigenden Zahlen derzeit noch nicht markant nieder. Am Montag, 13. September, wurden insgesamt acht Patienten mit einer Corona-Erkrankung behandelt, zwei davon auf der Intensivstation. Beide Personen sind nicht geimpft.

Die unerfreuliche Entwicklung in Krems beobachtet man aber auch im Spital mit Argusaugen: „Für einen eventuellen Anstieg an SARS-CoV-2-positiven Patienten wurden bereits umfangreiche Vorkehrungen getroffen“, heißt es auf NÖN-Anfrage. Eine festgeschriebene Anzahl an Corona-Bettenplätzen gebe es nicht. „Ein etablierter Stufenplan“ komme bei steigenden Zahlen zur Anwendung.

„Die Studierenden der IMC fragen laufend an, ob sie zum Semesterstart nach Krems kommen können. Alle sind in Sorge.“ Heinz Boyer, Gründer der IMC Fachhochschule Krems.

Wie die Inzidenz derartig rasant in die Höhe schnellen konnte – am vergangenen Freitag wies Krems laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) noch einen Wert von 254 auf –, darüber machten die Behörden im Verlauf der vergangenen Tage unterschiedliche Angaben. Reiserückkehrer und Schulinfektionen wurden anfangs als hauptverantwortlich genannt, mittlerweile ist auch von Familienclustern und Fällen im Rahmen eines Uni-Lehrgangs die Rede.

Über all den genannten Erklärungsversuchen schwebt allerdings immer noch die Vermutung, das am Sonntag, 5. September, zu Ende gegangene Wachauer Volksfest könnte Motor der jüngsten Corona-Welle in Krems sein. Wurde dieser Verdacht von Behördenseite anfangs nur mit defensiver Kommunikation begleitet (lediglich zwei bestätigte Infektionsfälle, mögliche weitere nicht genannt), gab das Büro von Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) am Dienstagnachmittag bekannt, dass 97 corona-positive Personen das Volksfest besucht haben.

Was aber nicht heiße, dass sich diese Leute auch dort infiziert hätten, wie ein Sprecher betonte. Eine bestimmte Quelle für die Erkrankungen könne aufgrund des „breit gefächerten Infektionsgeschehens“ nicht ausgemacht werden.

Die Kontaktnachverfolgung ist eines jener Felder, das Krems derzeit Probleme bereitet. Auch weil am Magistrat derzeit nur drei Contact-Tracer beschäftigt sind, aber vor allem weil das Volksfest die Arbeit wohl ungemein erschwert, wie Epidemiologe Gerald Gartlehner von der Donau-Universität Krems erklärt: „Immer dort, wo viele Personen anonym zusammen kommen, ist Contact-Tracing nahezu unmöglich, weil man ja meist nicht weiß, mit wem man Kontakt hatte. Die Delta-Variante ist so infektiös, dass auch flüchtige Kontakte reichen können, um infiziert zu werden.“ Für den angesehenen Experten war es „nicht vertretbar“, die elftägige Veranstaltung mit über 100.000 Besuchern durchzuführen – vor allem nicht als 3G-Event: „Als 2G-Event wäre es vielleicht möglich gewesen, aber Tests sind nur eine Momentaufnahme und Antigentests übersehen viele Infektionen. Das Frequency wurde abgesagt und das war sicher die richtige Entscheidung. Dass die Inzidenzen in Krems jetzt hoch sind, sollte für niemanden eine Überraschung sein.“

Bürgermeister Reinhard Resch (SPÖ), der sich von Beginn an als Unterstützer der Veranstaltung positionierte, musste ebendeswegen in den vergangenen Tagen Kritik einstecken, unter anderem von Mediziner und ÖVP-Politiker Martin Nuhr und IMC-Gründer Heinz Boyer, die dieser Tage gemeinsam eine Wirtschaftsdelegation aus Deutschland empfangen hätten. Wegen der aktuellen Corona-Lage in Krems hätte die jetzt aber abgesagt. „Die Situation ist ein Wahnsinn! Auch die Studierenden der IMC fragen laufend an, ob sie zum Semesterstart nach Krems kommen können. Alle sind in Sorge. Ob es das wert war?“ Kritik übt per Aussendung auch die ÖVP-Stadtpartei. „Statt sich mit den Ursachen zu befassen und rasch Gegenmaßnahmen einzuleiten“, schiebe Resch die Verantwortung ab.

Eigene Maßnahmen? Keine Resch-Prognose

Der Stadtchef sagt auf die Frage, ob er es mittlerweile bereue, das Volksfest nicht untersagt zu haben, dass sich die Sichtweise im Nachhinein verändere, es zum damaligen Zeitpunkt, wo es nur „marginal Hinweise auf die hohe Infektiosität der Delta-Variante gegeben“ habe, aber die richtige Entscheidung gewesen sei. Zumal es auch einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss gegeben habe. Eine Aussage, die so nicht korrekt ist. Der Gemeinderat hat am 30. Juni beschlossen, rund die Hälfte der 120.000 Euro hohen Mehrkosten für ein umfassendes Sicherheitskonzept zu übernehmen – allerdings ohne die Stimmen der beiden KLS-Mandatare Wolfgang Mahrer und Nikolaus Lackner, die sich enthielten.

Nicht klar äußert sich Resch zur Frage, ob es denkbar sei, dass die Stadt in Anbetracht der hohen Zahlen eigene Corona-Maßnahmen erlässt. Er könne keine Prognose abgeben, aber: „Wir besprechen täglich, wie es weiter geht, und beobachten auch die anderen Städte rundherum.“ In Reihen der Bevölkerung war zuletzt auch der Wunsch aufgekommen, ob der aktuellen Situation die PCR-Teststraße beim Bundessportplatz wieder zu eröffnen. Kontaktpersonen von Corona-Infizierten mussten in den vergangenen Tagen vielfach nach St. Pölten für einen Test fahren. Dazu gibt Resch bekannt, dass eine Wiederinbetriebnahme der Drive-Ins seitens Landesrätin Königsberger-Ludwig angedacht wird und „Krems sicher ein Standort wäre“. Das Problem sei momentan aber, Leute dafür zu finden.

Von einer etwaigen Einführung von Ausreisetests ist Krems übrigens noch relativ weit entfernt. Der neue „Erlass Hochrisikogebiete“ knüpft die Inzidenz an die Durchimpfungsrate in den Bezirken. In Krems liegt die laut AGES aktuell bei 62,3 Prozent, wodurch die Inzidenz sieben aufeinanderfolgende Tage 600 übersteigen müsste, bevor die Behörde diesen Schritt setzt.