Vorverlegung der Sperrstunde in der Stadt Krems möglich. Magistratsdirektor Karl Hallbauer hält eigene Kremser Sperrstunde und Maskenpflicht auch im Freien für vorstellbar, wenn Situation in Stadt aus dem Ruder läuft.

Von Franz Aschauer und Petra Vock. Erstellt am 23. September 2020 (05:56)
In Krems kursierten schon vergangene Woche Gerüchte, die Corona-Ampel würde auf Rot springen.
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Krems und seine Coronasituation gerieten in der vergangenen Woche österreichweit in die Schlagzeilen. Am Freitag überholte die Stadt in der Statistik, die die Infizierten am Standardwert von 100.000 Einwohnern bemisst, Wien. 151 Infizierte binnen sieben Tagen hatte es nach dieser Berechnungsweise gegeben. In Wien waren es an diesem Tag „nur“ 114.

Mittlerweile hat sich der Spieß wieder umgedreht. Stand 21. September liegt Krems in diesem Ranking mit 92 Infizierten auf Platz fünf, Innsbruck bekleidet mit 136 den traurigen Spitzenplatz.

Der Zwischenstand vom Freitag sorgte in der Bevölkerung jedenfalls für Verunsicherung. Schnell machten Gerüchte die Runde, die Corona-Ampel könnte von Gelb direkt auf Rot springen.

Lokale Zusatzmaßnahmen bald möglich

Magistratsdirektor Karl Hallbauer appelliert an Bevölkerung, Maßnahmen mitzutragen.
F: Kalchhauser

„Ich höre auch diverse Gerüchte“, sagt Magistratsdirektor Karl Hallbauer im Gespräch mit der NÖN. Als stellvertretender Leiter einer Bezirksverwaltungsbehörde wird es ihm durch das überarbeitete Covid-19-Maßnahmengesetz schon bald möglich sein, gemeinsam mit Bürgermeister Reinhard Resch, lokale Zusatzmaßnahmen zu verordnen. Sollte die Situation in Krems bedrohlicher sein als im Rest des Landes, sei das für ihn auch durchaus „vorstellbar“: „Ich rede nicht von einem Lockdown, aber eventuell von einer kompletten Maskenpflicht oder einer Vorverlegung der Sperrstunde“, erklärt Hallbauer.

Der Cluster rund um den „Q-Stall“, der als eines von mehreren Kremser Altstadtlokalen die Sperrstunde missachtet hat, ist indes größer geworden. Stand 20. September konnten laut dem Büro von Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig 26 Infizierte mit dem Club, den die Behörde schließen ließ, in Verbindung gebracht werden. Die Sperrstunde ist übrigens in den Altstadtlokalen nach der Ankündigung von Innenminister Karl Nehammer, Schwerpunktaktionen in allen Bundesländern durchzuführen, am vergangenen Wochenende von der Polizei streng kontrolliert worden. Der Besucherandrang in den noch offenen Bars hielt sich allerdings ohnehin in Grenzen.

275 Coronatests in der HTL Krems

Erste Corona-Infizierte verzeichneten in den vergangenen Tagen auch die Kremser Schulen. In der HAK mussten eine Klasse und acht Lehrer wegen eines positiven Schülers für zehn Tage in Quarantäne. Der Unterricht wurde in dieser Zeit über „Distance Learning“ fortgesetzt. Alle Kontaktpersonen des infizierten Schülers wurden mittlerweile negativ getestet und sind seit 22. September wieder in der Schule.

In der HTL, wo drei Schüler positiv getestet worden waren und daraufhin zwei Klassen und mehrere Lehrer nach Hause geschickt wurden, sind rund 275 Schüler und Lehrer negativ auf Corona getestet worden. Auch hier ging der Unterricht mittels Webcam weiter, die letzten Schüler beendeten ebenfalls am 22. September die Quarantäne.

Brandaktuell ist ein Coronafall im BRG Kremszeile. Am Dienstag wurde bekannt, dass es eine positive Testung gab. Ob ein Lehrer oder Schüler betroffen sind und wie viele Personen in Quarantäne müssen, war bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht eruierbar.