Nikolaihof Mautern: Hausverbot für Wirtesprecher. „Er sollte die Mitglieder vertreten und nicht die Regierung!“, appelliert Nikolaus Saahs, Winzer und Besitzer des Nikolaihofs in Mautern, an den Spartenobmann Mario Pulker. Er hat gegen den Politiker ein „lebenslanges Hausverbot“ in seinem Gastbetrieb ausgesprochen.

Von Melanie Geyer. Erstellt am 23. Juli 2021 (16:14)

Saahs machte seinem Ärger Luft und postete kurzerhand eine Beschwerde über den obersten Vertreter der Gastronomen in NÖ. 

"Der Bundesregierung hörig"

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Gastronom Nikolaus Saahs: Sprach "lebenslanges Hausverbot" für Wirtesprecher aus.
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Er ist mit der Aussage des Spartenobmanns, dass man um eine Impfpflicht nicht herumkomme, absolut nicht einverstanden und richtet ihm via Facebook aus: „Bitte ziehe dich in dein WKÖ-Kammerl zurück und schweige!“ Persönlich habe der Weingutbesitzer keine Diskrepanzen mit Pulker, wie er im NÖN-Gespräch feststellt. Jedoch ist er mit seiner Meinung generell nicht zufrieden, denn der Wirtschaftskammer-Mann sei „nur der Bundesregierung hörig“.

Viel positives Feedback

Die Antworten auf Saahs‘ Posting waren laut seiner Aussage sehr positiv. Er habe viele Mails, Nachrichten und Anrufe von Menschen quer durch die Bank bekommen „von Gästen, anderen Gastronomen, Bankkaufleuten, Versicherern und vielen mehr“. Er betont, dass es ihm wichtig sei, dass er in seinem Betrieb alle willkommen heiße und jeder, der impfen gehen wolle, dies tun solle. Seine Forderung: Jedem muss die Entscheidung selbst überlassen bleiben. „Es darf nicht von einer medizinischen Behandlung abhängig sein, ob man wohin gehen darf oder nicht.“

Auf Genesene wird vergessen

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Spartenobmann Mario Pulker steht wegen Überlegungen zur Impfpflicht in der Kritik.
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Eine Antwort erwartet Saahs von Pulker übrigens keine. Seinem Empfinden nach vertrete dieser die Wirte nicht gut und vermeide Kontakt mit den direkt Betroffenen. Pulkers Forderungen brächten einen „Zwist unter die Leute“. Sollte es zu einer 1G-Regel (nur Geimpfte dürfen in die Lokale, Anm.) kommen, möchte der Wirt nicht mitmachen. Seiner Meinung nach werde besonders auf die Genesenen vergessen, die für ihn ein geringeres Risiko darstellen.

Preiser zieht mit Verbot nach

Der Nachtgastronom Helmut Preiser – er betreibt die Disco Apollon in Großreinprechts – schloss sich dem Hausverbot für Pulker an. Auf mehrmals gestellte Anfragen habe der „selbsternannte Wirtesprecher“ nur mit Ausreden reagiert.

Pulker lässt die Kritik kalt

Mario Pulker trifft das Hausverbot „so, wie wenn in China ein Rad umfällt“. Er habe Verständnis für die Kritik, müsse aber weiterdenken und „die Situation unter Kontrolle bringen“. Der Spartenobmann vermerkt zusätzlich, dass es von rund 60.000 Gastronomiebetrieben nur rund 30 negative Äußerungen zu seinen Überlegungen gebe. „Es herrscht ein breiter Konsens, da die Betriebe eine weitere Schließung nicht riskieren wollen.“ Außerdem wirft Pulker die Frage auf, warum man bei Diskussionen zur Impfpflicht im Gesundheitsbereich und beim Lehrpersonal nicht auch in der Gastronomie über diese reden dürfe.