Weiter Wirbel um breiten Kremser Stadtbus. Ärger in der Herzogstraße über neue Poller. Fleischer will Lieferanten auf der Fahrbahn ausladen lassen.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 03. Februar 2021 (05:32)
Zankapfel Stadtbus: Für viele Geschäftsleute ist er zu breit für die enge Innenstadt.
Kalchhauser

In der Herzogstraße im Kremser Stadtzentrum zieren seit vergangenem Donnerstag neue Poller den Gehsteig vor den Geschäften. Es ist die Reaktion der Stadt auf die Rücksichtslosigkeit einiger Autolenker, die ihre Fahrzeuge zum Einkauf trotz Hinweistafeln, Infozetteln und Strafen immer wieder im Halte- und Parkverbot abstellten. Einsatzfahrzeuge und insbesondere der neue Stadtbus, der breiter ist als sein Vorgängermodell, kamen in der Vergangenheit schwer durch die schmale Einbahnstraße, wenn Pkw halb auf dem Gehsteig und halb auf der Fahrbahn standen.

Politiker beteiligten sich an Facebook-Debatte

Der Ärger über die Poller und der damit verbundenen endgültigen Eliminierung der Ladezonen, die nach der Inbetriebnahme des neuen Stadtbusses zu einem Halte- und Parkverbot transformierten, ist groß. Als Wut-Ventil diente in den vergangenen Tagen vor allem Facebook, wo unzählige Kommentare zu dem Thema abgegeben wurden. Unter die Diskutanten mischten sich auch bekannte Gesichter aus der Politik.

Patrick Mitmasser, Obmann der Jungen Volkspartei in Krems meinte etwa, dass der neue Stadtbus „trotz der langen Vorbereitungszeit viel Konfliktpotenzial“ berge. Die Umsetzung erfolge „mit der Brechstange“. SPÖ-Finanzstadtrat Helmut Mayer konterte: „Runter vom Gas!“. Speziell für die Kunden der Fleischerei Graf hält er die nahe gelegenen Parkplätze in der Gartenaugasse für „zumutbar“. Und sowieso sei „am Gehsteig parken immer illegal“ gewesen.

Wenig Trost spenden die Online-Kommentare Otto Graf, dem Inhaber der Fleischerei Graf. Für ihn entstünde durch die neuen Poller gleich in zweierlei Hinsicht eine „ganz schwierige Situation.“ Zum einen seien seine Kunden immer gewohnt gewesen, dass sie für den Einkauf kurz vor dem Geschäft stehen bleiben dürfen, zum anderen ist jetzt auch die Ladezone für seine Lieferanten verbaut. „Das ist ein schweres Gut, das wir ausladen müssen“, erklärt Graf, warum die Anlieferung unmittelbar vor dem Geschäft erfolgen muss. In Zukunft werde man dafür einfach „mitten auf der Fahrbahn stehen bleiben müssen“.

Bis zuletzt sei man mit dem Standort in der Herzogstraße sehr zufrieden gewesen, betont Graf, der auch in Langenlois und Straß Geschäfte hat. Seit der Einführung des neuen Stadtbusses, der für ihn zu groß ist und gar nicht durch die Herzogstraße fahren sollte, sei das anders. „Warum fährt er nicht durch die Ringstraße? Wahrscheinlich ist das nicht gut durchdacht.“

Sperrbare Poller als Kulanzlösung?

„Eingesperrt“ sieht die Geschäfte in der Herzogstraße Dietlinde Kisling, Betreiberin der Honigwerkstatt. Auch die Ladezone vor ihrem Betrieb ist weg. „Soll ich jetzt den Honig einen halben Kilometer durch die Stadt schleppen?“, fragt Kisling, die dafür plädiert, sperrbare Poller anstatt der fix verankerten zu installieren, um so die Anlieferung direkt vor den Geschäften zu ermöglichen.

Ein Rückbau ist allerdings unwahrscheinlich. Verkehrsstadtrat Alfred Scheichel (SPÖ) verteidigte im Mailverkehr mit Otto Graf die Maßnahmen mit der Begründung, dass die „vorgefundenen Missstände der Verkehrssicherheit nicht nur zu Hemmung des Verkehrsflusses führten, sondern vielmehr zur Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer.“ Den Vorwurf, dass der 15 bis 20 Zentimeter breitere, neue Stadtbus für die Innenstadt einfach ungeeignet sei, wies Scheichel bereits im Dezember zurück. Die Fahrbahnen seien überall breit genug.

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