Krems: Nur 500 "Spaziergänger" gegen Impfpflicht

Erstellt am 17. Januar 2022 | 09:22
Lesezeit: 5 Min
Weniger Zustrom als erwartet gab es zur als "Spaziergang" benannten Demonstration gegen die Impfpflicht in Krems. Kritik regte sich gegen die Vereinnahmung der Veranstaltung durch die FPÖ.
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700 bis 1.000 Teilnehmer waren zur im ganzen Waldviertel beworbenen Demo am Samstag, 15. Jänner, in Krems erwartet worden. Knapp 500 starteten dann im Stadtpark, begleitet von einer rund 80 Personen starken Polizeiabordnung, vor allem der Einsatzeinheit (EE) Niederösterreich, im Stadtpark.

FPÖ-Politiker als Redner

Schon bei den Reden war klar: Die FPÖ vereinnahmte die von Elisabeth Pummer aus dem Bezirk Zwettl und Josef Tüchler aus dem Bezirk Gmünd angemeldete Veranstaltung total. Funktionäre aus zahlreichen Gemeinden waren - zum Teil in FPÖ-Jacken - mit dabei, und die Rednerliste brachte letzte Klarheit. Nach einem Appell Bruno Gattringers aus Großglobnitz, "auch anderen die Meinung nicht aufzuzwingen" gab es nur mehr FPÖ-Funktionäre am Rednerpult.

"Wollen uns in Nadel treiben!"

FPÖ-Landtagsabgeordneter Reinhard Teufel nützte seinen Auftritt für einen Rundumschlag "gegen die abgehobene Bundesregierung und die ÖVP NÖ", die den Menschen die Grundrechte wegnehmen wollten. Die "Schreibtischtäter", die sich in ihren Büros verschanzten, "wollen uns in die Nadel treiben!" Und einen Ausfall seines Mikrofons kommentierte Teufel so: "Wenn man die Wahrheit sagt, wird einem gleich der Stecker gezogen."

Geschäftsleute waren in Sorge

Ein "lautes, friedliches Zeichen für die Demokratie" nannte FPÖ-Stadträtin Susanne Rosenkranz die Veranstaltung. "Viele Kremser sind heute bei der großen Demo in Wien", meinte sie entschuldigend in Bezug auf den eher geringen Zustrom. Mit dem Absingen der Bundeshymne setzte sich die Gruppe in Polizeibegleitung, vom Stadt-Juristen Hannes Zimmermann und dem für die öffentliche Ordnung verantwortlichen Magistratsmitarbeiter Werner Nürnberger beobachtet, Richtung Altstadt in Bewegung. Dort hatten mehrere Geschäftsleute aus Angst vor Ausschreitungen ihre Geschäfte früher dicht gemacht. Zum Glück blieb es bei verbalen Entgleisungen.

Kritik an Regierung und Präsident

Am Welterbeplatz (Schiffstation) kam schließlich noch Volksanwalt Walter Rosenkranz - er ist auch FPÖ-Bezirksparteiobmann in Krems - zu Wort. Der Hinweis auf das "Versagen der Regierung" und Kritik an Bundespräsident Alexander van der Bellen und "seinem Leibarzt Dr. Mückstein" (Zwischenruf: "Eing'sperrt gehört er!") waren Inhalte seiner Rede. Die Waldviertlerin Lisa Wicky trug zwei Songs und zwei Gedichte vor.

Positive Bilanz: Nur sieben Anzeigen

Die Bilanz der Veranstaltung ist erfreulich: Es gab lediglich sieben Anzeigen wegen Verstößen gegen die Maskenpflicht. Die Polizei hielt sich vorbildlich zurück. Nur hartnäckigen Verweigerern wurde eine Strafe angedroht, über eine Vielzahl an Verstößen, weil es Teilnehmer es nicht schafften, ihre Maske korrekt (auch über die Nase) aufzusetzen, wurde großzügig hinweggesehen. Bewährt hat sich einmal mehr der Einsatz der mit blauen Jacken gekennzeichneten "Deeskalationseinheit" der Exekutive, die vor dem Einsatz von rechtlichen Mitteln mit Demonstranten das Gespräch suchten. 

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