Bezirk Krems: Radboom setzt sich 2021 fort. Radhändler- und Werkstätten erleben starken Ansturm. Radlobby Krems kritisiert schleppenden Radweg-Ausbau.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 07. April 2021 (05:14)
„Bei jedem Wetter am Rad“: Gerhard Hanel (links) und Jakob Pachschwöll von der Kremser Radlobby wollen, dass dem Rad-Boom auch ein Boom bei der Radinfrastruktur folgt. Vor allem bei der lange bekundeten Radweganbindung Krems-Süd lägen bereits ausgearbeitete Konzepte vor, die aber nach wie vor nicht umgesetzt würden. Foto: Johannes Mayerhofer
Johannes Mayerhofer

Andreas Geyer, Chef des Fahrradladens „Rund ums Rad“ in Stein hat alle Hände voll zu tun.

„Zum Frühlingsbeginn haben wir auch in normalen Zeiten viel Service- und Werkstattarbeit zu leisten, aber dieses Mal ist es noch einmal ein Eck mehr“, erklärt er. „Die Wartezeit ist momentan drei Wochen länger als normal, wir können auch derzeit keine Neukunden zulassen.“ Schon im vergangenen Jahr zeichnete sich ein Fahrrad-Boom ab, der auch 2021 nicht abzureißen scheint.

Geyer hat sein Team bereits um eine Person aufgestockt. „Wir versuchen, den großen Andrang damit zu bewältigen, aber bis dahin ist natürlich einiges an Einarbeitungszeit notwendig.“

„E-Bike-Segment ist sportlicher geworden“

Welche Nachfragetrends zeichnen sich derzeit am Radmarkt ab? „Das E-Bike ist natürlich schon ein längerfristiger Trend. Bei den Käufern handelt es sich häufig aber schon um leistungsorientierte Radler, die das E-Bike nutzen, um längere Strecken fahren zu können. E-Mountainbikes sind ebenfalls im Steigen“, erklärt Geyer.

Das E-Bike-Segment ist jedenfalls sportlicher geworden. „Gestiegene Nachfrage erleben wir auch bei den Gravel-Bikes. Das ist so eine Art Trekking-Bike-Ersatz, und kann im Gelände gefahren werden. Die Kraftübersetzung bei diesen Modellen ist geringer“, so der Radfachmann.

Was sollten potenzielle Radkäufer beachten? „Als Käufer sollte man wissen, wie und wo man ein Rad nutzen will.“ Zwiespältig sieht Geyer das große Informationsangebot im Internet. Viele Leute seien schon gut informiert, etwa über technische Aspekte, könnten diese Information aber oft nicht richtig praktisch einsetzen. Ein Beispiel: „Es kommt vor, dass Kunden ganz begeistert von Vollfederungen sind, weil sie das im letzten Testbericht gelesen haben. Sie versprechen sich davon Komfort, aber den kann man auch ganz anders bekommen, ohne dabei so viel Geld ausgeben zu müssen.“

Weiters warnt er, heikle Reparaturen selbst durchzuführen. „Da richtet man unter Umständen noch mehr Schaden an.“

„Radweg-Ausbau geht nur sehr langsam voran“

„Aktuell trifft der steile Rad-Boom auf den schleppend verlaufenden Ausbau der Radinfrastruktur in und um Krems“, bemängelt Gerhard Hanel von der Radlobby Krems. Er und sein Radlobby-Kollege Jakob Pachschwöll sehen zwar kleine Verbesserungen, die großen Würfe ließen jedoch auf sich warten.

„Kleine Erfolge waren etwa der in beide Richtungen befahrbare Radweg in der Alauntalstraße und die Unterführung bei der Obstgenossenschaft“, erklärt Hanel, der seit Jahren leidenschaftlicher Radfahrer ist. „Was etwa die Radanbindung Krems-Süd betrifft, so liegen hier von einer Firma ausgearbeitete Konzepte auf dem Tisch, und es gibt auch breite politische Einigkeit über Parteigrenzen hinweg. Die Umsetzung lässt aber auf sich warten.“

Wie viele andere Organisationen der Zivilgesellschaft musste auch die Radlobby Krems ihre Aktivitäten – etwa Fahrrad-Kino, Picknicks, Rad-Aktionen am Campus, Flohmärkte – aufgrund der Pandemie stark einschränken. „Der Kontakt mit unseren Mitgliedern und interessierten Radlern läuft über Mail ab.“ Für die Zukunft sei eine Selbsthilfe-Werkstatt geplant, wo gemeinsam kleine Reparaturen vorgenommen, Tipps eingeholt und Austausch gefördert werden.

Robert Simlinger, Radbeauftragter der Stadt Krems kritisiert, dass die für Radfahrer vorgesehene Zufahrt von der Arbeitergasse zur Alauntalstraße regelmäßig von Autofahrern als Abkürzung missbraucht werde.

Harald Leopold, ÖVP-Bürgermeister von Langenlois kündigt für Herbst 2021 ein Verkehrskonzept an, welches auch Verbesserungen der Rad-Situation in der Stadt umfassen soll.

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