Elche waren "auf Besuch". Seltene tierische Gäste waren im Waldviertel auf der "Durchreise": In den Wäldern wurden in diesem Sommer Elche gesichtet, bestätigte Martin Schönsgibl von den österreichischen Bundesforsten am Sonntag Medienberichte.

Erstellt am 21. August 2011 (11:33)
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Das Phänomen, das vor Jahren schon die Forscher des zu Tschechien grenzüberschreitenden Nationalparks Thayatal beobachtet haben, trete seit dem Fall des Eisernen Vorhangs vereinzelt auf. "Wenn die Getreidefelder vor der Ernte stehen, kommen sie und holen sich ein bissl was", erzählt der Förster.

Laut "Kronen Zeitung" hatte im Juli ein Jäger bei Krems von seinem Hochstand aus mit dem Feldstecher zwei Elche wahrgenommen, zwei Tage später sei das Weibchen in eine "Kamerafalle" getappt und wurde von einem Fotoapparat mit Bewegungsmelder aufgenommen.

Die Elche gehören zur großen Familie der Hirsche, sind jedoch auf Grund ihres eigentümlichen Aussehens kaum mit dem heimischen Rothirsch zu vergleichen. Auffällige Merkmale der - 200 bis 825 Kilogramm mächtigen - Tiere sind die extrem langen Ohren, die überhängende, "Muffel" genannte Oberlippe und das imposante Schaufelgeweih, das allerdings eher dem Imponiergehabe oder Rangordnungskämpfen während der Brunft als der Verteidigung dient.

Der Nationalpark Thayatal hatte bereits 2005 von Elchbeobachtungen sowie davor bestätigten Sichtungen in den Jahren 2003 und 1998 berichtet. Demnach existieren in Tschechien beim Moldau-Stausee im östlichen Böhmerwald und in der Teichlandschaft rund um Trebon eigenständige Elchpopulationen, die seit der Grenzöffnung von dort vor allem ins nördliche Waldviertel wandern. Der damaligen Aussendung des Nationalparks zufolge belegen Funde, dass Elche im ersten Jahrtausend nach Christus auch bei uns beheimatet waren. Erst durch die bayerische Kolonisation und die Rodung der Wälder ab dem zehnten Jahrhundert verschwanden die Elche aus dem Wald- und Weinviertel.