Skorpion will von Krems nicht weg. Ergebnis eines Forschungsprojektes: „Kremser Skorpion“ lebt nur in einem kleinen Bereich in der Stadt – seit 700 Jahren.

Von Petra Vock. Erstellt am 13. Juli 2019 (11:05)
Martin Scheuch

Die gute Nachricht zuerst: Dem „Kremser Skorpion“ geht es gut. Die schlechte Nachricht: Außerhalb seines angestammten Gebietes ist er nirgendwo zu finden. Das ist das Ergebnis von vielen Stunden Forschung des Biologen Martin Scheuch gemeinsam mit Schülern des BRG Ringstraße.

Der „Kremser Skorpion“ ist ein lebendes Relikt aus dem Mittelalter: Eigentlich heißt er „Triestiner Skorpion“, stammt aus Norditalien und wurde vor 700 Jahren importiert, da er lebend für Rezepte gegen die Pest benötigt wurde.

Einige Skorpione konnten damals ihrem Schicksal entrinnen und ließen sich im Bereich des Langenloiserberges nieder. Im milden Kremser Klima schafften sie es, 700 Jahre zu überleben – heute sind sie die nördlichste Population ihrer Art.

 Viele Skorpione gefunden

 Um herauszufinden, wo es den „Kremser Skorpion“ noch gibt, startete Scheuch (Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik) im Herbst ein „Citizen Science“-Projekt mit Bürgerbeteiligung (die NÖN berichtete). „Wir haben an die 70 Rückmeldungen bekommen“, schildert Scheuch.

Gemeinsam mit acht Schülern und BRG-Professor Hannes Wurzenberger begab er sich im Frühling auf nächtliche Entdeckungstour: Mit UV-Lampen, suchten sie dort, wo Sichtungen gemeldet worden waren.

Johann Lechner
Dem „Kremser Skorpion“ auf der Spur: Lena Trapel, Isabella Pauser, Sophie Völker (vorne, von links); Lars Leinenbach, Biologe Martin Scheuch, Florian Salzer, Erik Harrauer, Israa Elghandour, Desiree Baldrian und BRG-Professor Hannes Wurzenberger (hinten, v. l.).

„Wir haben recht viele Skorpione nachweisen können“, ist Scheuch zufrieden. Aber: „Wir haben auch rund um den bekannten Bereich gesucht, ob sie weitergewandert sind, und haben nichts gefunden.“ Nicht in der Wachau oder im Kremstal, nicht am Kreuzberg oder am Kögl. „Das Vorkommen ist streng auf einen kleinen Flecken begrenzt, vielleicht seit 700 Jahren.“

 Vom Aussterben bedroht

 Gemeinsam mit den Schülern, die „fleißig daran mitgeschrieben haben“, bereitet er nun eine Publikation in einer Naturschutzzeitschrift vor, und im Herbst soll es einen Abschlussvortrag am BRG geben.

Da der Skorpion als vom Aussterben bedroht auf der Roten Liste steht, werfe das Ergebnis Naturschutz-Fragen auf, meint Scheuch: „Eigentlich wäre geltendes Recht, dass jeder in diesem Gebiet, der eine neue Gartenmauer aufstellt, ein Naturschutz-Ansuchen stellt und nachweist, dass er damit den Skorpion nicht beeinträchtigt.“ In der Praxis mache das natürlich niemand.

Scheuch hofft jetzt auf Bewusstseinsbildung und will der Bevölkerung Weingarten-Steinmauern nahebringen, in deren Zwischenräumen der Skorpion sich verkriechen kann. Nach Abstimmung mit den Naturschutzbehörden seien auch Folgeprojekte denkbar, erzählt er: „Es wäre sinnvoll, Skorpion-Zwischenpopulationen zu begründen, um zumindest die Lücken innerhalb des Verbreitungsgebietes zu schließen.“