Behördenschreck Stieger: Flucht bei Haftausgang!. Blamage für die Justiz: Acht Wochen nach seiner spektakulären Festnahme ist der „Behördenschreck“ wieder frei. Er kam von einem Haftausgang nicht mehr zurück.

Von Udo Sagl. Erstellt am 19. Dezember 2017 (06:25)
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Die Tür stand für ihn offen: Stieger durfte die Justizanstalt um 7 Uhr verlassen – und weg war er.

Dieser Mann ist nicht zu fassen – und das fast im wahrsten Sinne des Wortes! Kaum acht Wochen nach seiner Verhaftung ist Franz Stieger (58) wieder frei. Er konnte den Justizbehörden wieder einmal entwischen ...

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17 Monate Haft waren ihm offenbar zu viel: Franz Stieger (58) ist untergetaucht.

„Das gibt‘s doch nicht! Ich hab‘ den Stieger gesehen.“ Passanten trauten ihren Augen nicht: Stieger marschierte Anfang Dezember frisch und froh durch die Landstraße. Irrtum? Gibt‘s nicht? Doch! Er erhielt von der Justizanstalt Krems mehrfach „Häfenurlaub“ – und das, obwohl er erst Mitte Oktober unter widrigsten Umständen verhaftet worden war.

Wie berichtet (siehe hier und unten), verschanzte sich Stieger fast ein Jahr lang in seinem Haus in der Mölkergasse, um einer Gefängnisstrafe von 17 Monaten zu entgehen, die ihm wegen Stalkings (unter anderem von Rohrendorfs Ex-Bürgermeister Rudolf Danner und Landesgerichtspräsident Norbert Klaus) aufgebrummt worden war.

Der Exekutive waren damals die Hände gebunden: Sie durfte den Verurteilten zunächst nur verhaften, wenn er in der Öffentlichkeit erwischt worden wäre. Also blieb er einfach daheim. Dazwischen freilich schlich er sich immer wieder auf die Straße – unter anderem im Advent 2016, als er sich als Weihnachtsmann verkleidete und die Justiz zum Narren hielt.

„Er hat sich in der Haft vorbildlich verhalten“

Schließlich hieß es aber doch irgendwann: „Schluss mit lustig!“ Franz Stieger wurde in seinem Haus festgenommen. Er flüchtete zwar noch auf den Dachboden, ergab sich dann aber widerstandslos.

Seit Mittwoch ist der Mann wieder zur Verhaftung ausgeschrieben. Der Gefangene nützte einen seiner Ausgänge zur Flucht.

Um 7 Uhr ging er aus dem Haus, um 19 Uhr hätte er wieder in der Zelle sein sollen. Doch er zog es vor, sich aus dem Staub zu machen. „Seither wird er landesweit von der Polizei gesucht“, bestätigt der stellvertretende Leiter der Justizanstalt Krems, Oberstleutnant Roman Pachschwöll.

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Verwandlungsfähig: Im Vorjahr tarnte sich Stieger als Weihnachtsmann.

Wie konnte das passieren? Pachschwöll argumentiert, der Häftling habe ein „subjektives Recht“ auf Haftausgänge gehabt. „Es waren alle gesetzlichen Voraussetzungen gegeben: Stieger durfte die Anstalt verlassen, um verschiedene Erledigungen zu machen. Darauf hatte er einen Rechtsanspruch.“

Und die Fluchtgefahr? „Aus der Sicht unseres Fachteams und von Psychologen war es nicht absehbar, dass Stieger sich absetzt, denn er hat sich in der Anstalt vorbildlich verhalten.“

Die Fahndung läuft – von Franz Stieger fehlt jede Spur.