Erstellt am 02. September 2013, 00:00

„Fall Merkur“: Polizei kritisiert Filmprojekt. Aufreger / Die Tragödie rund um den erschossenen Florian P. (14) kommt ins Fernsehen. Und der Streifen polarisiert schon im Vorfeld.

Merkur-Markt im August 2009: Spurensicherung.Lechner  |  NOEN
Von Udo Sagl

KREMS, WIEN / „Wir waren da“: Der Titel des geplanten ORF-Films klingt harmlos, dahinter verbirgt sich freilich jede Menge Zündstoff.

Im Mittelpunkt des Streifens steht die Tragödie rund um den Tod von Florian P. (14) aus Lerchenfeld. Der Schüler war vor vier Jahren bei einem Einbruch in den Kremser Merkur-Markt von einem Polizisten erschossen worden. In der Folge sorgte die Causa als „Fall Krems“ österreichweit für eine starke Polarisierung. Und genau da dürfte Drehbuch-Autor Stephan Richter, der gleichzeitig Regie führt, ganz gezielt ansetzen.

„Motiv für den Einbruch: Rebellion und Übermut“ 

Auszug aus der Inhaltsangabe von „Wir waren da“: „Im industriell geprägten Lerchenfeld bei Krems ist ein riesiger Supermarkt der einzige soziale Treffpunkt für die Bewohner des Ortes. Hier lernt der aufgeweckte Julian (14) den Außenseiter Marko (16) kennen. In ihrer Rebellion gegen das trostlose Leben der Vorstadt brechen sie eines Nachts im pubertären Übermut in den Supermarkt ein. Ein kurzer Moment der Freiheit, den Julian wenig später mit dem Leben bezahlen muss . . .“

Der Film entpuppt sich schon vor Beginn der Dreharbeiten als Aufreger. Denn aus der Sicht der Polizei ist der Tod von Florian P. („Julian“) kein geeigneter Filmstoff. Bezirkskommandant Manfred Matousovsky: „Für mich ist nicht nachvollziehbar, wo bei einer allfälligen Verfilmung dieses Falles der Unterhaltungswert für Zuseher liegen soll, nachdem der folgenschwere Ausgang mittlerweile ja ohnehin allen in Österreich lebenden Personen und auch vielen außerhalb unseres Landes hinlänglich bekannt ist. Der Vorfall in Krems hat stark polarisiert und für eine große Verunsicherung der Polizeibeamtenschaft gesorgt, welche bis heute noch nicht abgeklungen ist.“

„So werden seelische Wunden aufgerissen“ 

Matousovksy sieht in dem Filmprojekt jede Menge Brisanz: „Auch oder gerade bei wirklichkeitsgetreuer Darstellung der Geschehnisse würden seelische Wunden wieder aufgerissen und abermals eine Pro- und Kontrastimmung hinsichtlich der Arbeit der Polizei erzeugt werden. Eine Evaluierung des Vorfalles hat es in den verschiedensten Bereichen – überwiegend mit anschließender Veröffentlichung der Ergebnisse – ohnehin bereits gegeben, daher bin ich strikt gegen ein derartiges Aufwärmen des Vorgefallenen. Es geht offensichtlich nur um Unterhaltungszwecke . . .“

Für zusätzliche Brisanz sorgt die Besetzung des Streifens: Der Todesschütze wird vom international renommierten Schauspieler Andreas Lust dargestellt. Und der war schon im preisgekrönten Film „Revanche“ in die Uniform eines Polizisten geschlüpft. Zur Vorbereitung verbrachte er damals eine Woche bei der Polizei in Gföhl.