Traditionsgasthaus in Senftenberg ist zu. Das Senftenberger Traditionsgasthaus von Johann Hintenberger ist Geschichte: Nach 156 Jahren wird es hier keine Feiern, Bälle oder Ähnliches mehr geben.

Von Christian Leneis. Erstellt am 04. Februar 2021 (05:56)
So hat das Senftenberger Traditionsgasthaus etwa in den 1930-er-Jahren ausgesehen. Dieses Bild war Motiv einer Postkarte.
privat

Die Familie Hintenberger hat das Gasthaus im Kremstal im Jahr 1864 gegründet. Insgesamt fünf Generationen haben im Traditionshaus Gäste bewirtet oder auch Hotelgäste beherbergt. Seit Jahresbeginn ist damit Schluss. Es gibt mehrere Gründe dafür: Einerseits hat die sechste Generation, die nachfolgen sollte, schon vor rund zehn Jahren angekündigt, den Betrieb nicht zu übernehmen, der Tourismus hat in den vergangenen Jahren im Kremstal spürbar abgenommen und andererseits hat die Corona-Pandemie dazu geführt, dass der Gastwirt im Dezember des vergangenen Jahres kurzfristig den Entschluss gefasst hatte, den Betrieb zu schließen.

Personalprobleme und Corona als Grund

„Es ist schon etwas Wehmut dabei“, erzählte Johann Hintenberger gegenüber der NÖN. So berichtet er weiter, dass es auch immer schwieriger gewesen sei, Personal – speziell für große Feste oder Familienfeiern – zu finden. Im vergangenen Jahr hatte die Familie ein Minus von rund 100.000 Euro an Umsätzen zu verbuchen: „Die 15.000 Euro Förderung seitens des Bundes war da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, erzählt er. Alleine zwischen dem 17. und 30. Dezember 2020 waren acht Feiern gebucht, die wegen der Verlängerung des Lockdowns dann auch abgesagt wurden.

Ein Bild aus wirtschaftlichen Tagen für die Gastwirtfamilie Sabrina, Johann und Doris Hintenberger (von links).
Gregor Semrad

Seit 2019 ist das Gebäude bereits verkauft. Der neue Besitzer hätte den Wirten – Johann, Wolfgang und Doris – das Objekt noch bis zum Jahr 2024 überlassen. 2025 hätte Johann Hintenberger dann die wohlverdiente Pension angetreten. Jetzt wird das Inventar verkauft (Informationen dazu finden Sie unter www.hintenberger.at ) und der 58-jährige Gastwirt Johann Hintenberger wird eines der Angebote aus dem touristischen Sektor annehmen, um seine Zeit bis zum Ruhestand sinnvoll zu verbringen. Aus dem Gasthaus wird wahrscheinlich eine Anlage für „Betreutes Wohnen“.

Auch Bürgermeister Stefan Seif bedauert das abrupte Ende des Traditionsgasthauses: „Über 150 Jahre hat die Familie Hintenberger ein ,Gasthaus mit Wirtshauskultur’ betrieben. Die Hausmannskost war weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt.“ Einziger Trost sei, so der Bürgermeister weiter, dass eine Pizzeria in den Ort gekommen ist, und dass die Hauptpächterin des Imbacher Bauernmarktes überlegt, diesen künftig nicht nur am Samstag, sondern an mehreren Tagen zu öffnen.