Krems

Erstellt am 13. Januar 2017, 05:29

von Thomas Werth

Feuerwehr-Kommandant Urschler: „Stoßen bald an Grenze“. Die NÖN bat Gerhard Urschler ein Jahr nach seiner Wahl zum Feuerwehrkommandanten zum Interview.

Gerhard Urschler ist seit einem Jahr FF-Kommandant.  |  privat

Vor einem Jahr wurde Gerhard Urschler zum Kommandanten der größten und ältesten Feuerwehr in NÖ gewählt. Der NÖN erzählt er, was sich geändert hat, welche Ziele er hat, aber auch, welche Probleme er für die Zukunft sieht.

NÖN: Herr Urschler, Sie sind vor einem Jahr vom Verwalter zum Kommandanten aufgestiegen. Was hat sich für Sie verändert?

Gerhard Urschler: Meine Tätigkeit bei der Feuerwehr ist viel zeitintensiver geworden. Es sind andere Aufgaben hinzugekommen, etwa der vorbeugende Brandschutz. Auch die Behördenkontakte sind mehr geworden. Außerdem ist ein Kommandant natürlich eine Anlaufstelle für Kameraden, bei Feuerwehr-spezifischen Themen wie bei privaten Problemen. Aber gerade bei Problemen zeigt sich, dass wir eine Großfamilie und kein Betrieb sind.

2016 war wieder ein Rekord-Jahr bei den Einsätzen“

Wie viel Zeit investieren Sie als Kommandant für die Feuerwehr?

Es würde mich überraschen, wenn es viel weniger als 40 Wochenstunden wären. Als Selbstständiger (Anm.: in der EDV-Branche) kann man es sich noch eher richten, ich arbeite viel abends. Aber bei einem „normalen“ Job ist es praktisch unmöglich, diese Zeit für die Feuerwehr zu investieren. Das wird auch die große Herausforderung bei der Suche nach meinem Nachfolger.

Sie denken schon an die Zeit danach?

Mein Ziel ist es, noch eine zweite Periode zu machen – das ist bei uns quasi üblich. Aber das Problem ist ja jetzt schon präsent: Wir erreichen Dimensionen, wo wir an die Grenze der Ehrenamtlichkeit stoßen. Wir haben jährlich 50 bis 60 Einsätze mehr, 2016 war wieder ein Rekord-Jahr. 150 Einsätze im Jahr sind für einen Ehrenamtlichen das Maximum – diese Zahl erreichen wir aber teilweise jetzt schon. Wir versuchen daher, die Stärke unseres Wache-Systems auszunützen und dadurch mehr Ausgleich zu schaffen. Wir brauchen uns ja nicht an fiktive Grenzen von Katastralgemeinden zu halten.

Ist ein hauptberufliches Kommando die Lösung?

Eine deutliche Abgrenzung zwischen Feuerwehr und Stadtpolitik ist natürlich vorteilhaft, dennoch: In fast allen großen Städten sind die Kommandanten Magistratsbedienstete. Hier sind für die Zukunft neue Modelle gefragt: Ich kann niemandem die Funktion des Kommandanten schmackhaft machen, wenn er 50 Prozent seines Gehalts verliert. Da muss es frische Impulse geben – und eine Feuerwehr wie Krems hat die Größe, ein Impulsgeber zu sein.

Meilenstein war sicher das Feuerwehrhaus in Egelsee

Was sind Ihre Ziele innerhalb der Kremser Feuerwehr?

Mein primärer Fokus liegt darauf, ein schlagkräftiges Führungsteam zu bilden. Es ist zwar jetzt schon phänomenal, wie der Führungsstab zusammenarbeitet, aber da ist noch mehr drinnen. 30 Führungskräfte zu haben ist ja unser Alleinstellungsmerkmal, daher starten wir eine Offiziersausbildung, um das Team-Building zu stärken, sie rhetorisch zu verbessern und feuerwehrfachlich weiterzubilden.

Was war Ihr Highlight in Ihrem ersten Jahr als Kommandant?

Ein Meilenstein war sicher das Feuerwehrhaus in Egelsee (Anm.: Spatenstich fand im Dezember 2016 statt). Es hat nämlich gezeigt, dass die Stadt ein Partner mit Handschlagqualität ist. Das stimmt mich für die Zukunft zuversichtlich.

Und wo sehen Sie sich nach Ihrer Zeit als Kommandant bei der Feuerwehr?

Ich hätte kein Problem, in die zweite Reihe zurückzugehen und wieder mehr auf Einsätze zu fahren.