FPÖ, Grüne & NEOS sahnen ab

ÖVP und SPÖ sehen Ergebnis zwiespältig. Ewald Stadler nicht mehr im EU-Parlament.

Erstellt am 26. Mai 2014 | 07:54
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Foto: NOEN
BEZIRK KREMS | „Trendig“ verlief die EU-Wahl in der Region Krems. Es gibt nur geringfügige Abweichungen vom Bundestrend. Was so viel heißt wie:
  • Die ÖVP behauptet trotz Verlusten von 3,7 Prozent (etwas mehr als im Bundesschnitt) klar die Nummer 1.

  • Die SPÖ hatte vor fünf Jahren einen schweren Absturz von 9 Prozent und konnte sich davon nur leicht, aber immerhin mit einem Plus von 1 Prozent erholen.

  • Einer der Wahlsieger ist die FPÖ: Sie legte in allen Gemeinden zu und hält jetzt bei 18 Prozent (+ 6,7 %), aber doch unter dem Bundesschnitt.

  • Ähnliches gilt für die Grünen: Für sie gibt es nur in Maria Laach einen „Ausreißer“ nach unten. Unterm Strich bleibt ein Plus von 4,5 auf 11 Prozent. Im Bund sind es jedoch 4 Prozent mehr. Mit Ulrike Lunacek zieht wieder eine gebürtige Kremserin (Kinderjahre in Gföhl) ins EU-Parlament ein.

  • Aus dem Stand heraus erreichten die NEOS bei ihrem ersten Antreten auf EU-Ebene gleich 7,5 Prozent.

  • Ebenfalls zum ersten Mal angetreten sind die REKOS, die Reform-Konservativen. Wenngleich mit einem alten Bekannten an der Spitze: Ewald Stadler. Für ihn wiederholt sich die NÖN-Schlagzeile von 2009: „Kein Mandat für Stadler“. Damals noch für das BZÖ im Rennen, rückte er während der Periode doch noch nach Brüssel nach, weil Österreich einen Sitz zusätzlich bekam. Damit ist es nun auch vorbei. Stadler konnte nur in seiner Heimatgemeinde Grafenegg mit knapp 6 Prozent reüssieren.

  • Apropos BZÖ: Den „Orangen“ ist total der Saft ausgegangen. Von 1.142 Stimmen blieben nur 135 übrig.

  • Besser als REKOS und BZÖ haben sogar Europa anders mit 1,7 und EUSTOP mit 2,5 Prozent abgeschnitten.

Lachendes, weinendes, blaues Auge für VP & SP

In den Parteizentralen von Schwarz und Rot war die Stimmung entsprechend zwiespältig.
Bei der ÖVP freuten sich Landesrätin Barbara Schwarz und Funktionäre wie Franz Xaver Broidl und Stefan Seif: „Wir sind klar die Nummer 1 geblieben!“
Das weinende Auge: die Stimmenverluste. Besonders auffällig die Gemeinden Jaidhof, Lengenfeld, Aggsbach und Lichtenau.

Für Reinhard Resch, den Kremser Bürgermeister, war es die erste Wahl in der neuen Funktion als SPÖ-Bezirksvorsitzender. Der positive Aspekt: „Wir haben einen Prozentpunkt dazugewonnen und damit von allen Bezirken in Niederösterreich den höchsten Zugewinn erzielt.“ Der negative: Es ist nicht gelungen, das Desaster von 2009 auszubügeln. Resch: „Ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der ÖVP ist es leider nicht geworden.“

FPÖ-Nationalrat Walter Rosenkranz denkt nach diesem Erfolg schon einen Schritt weiter: „Viele gute Detailergebnisse machen Mut für die Gemeinderatswahlen 2015.“

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„Ein Votum für die EU“

„Das Wahlergebnis ist für uns rundum erfreulich. Es zeigt, dass sich die proeuropäischen Parteien durchgesetzt haben“, so Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP).
Die Menschen wüssten, dass das Friedensprojekt EU eine wertvolle Sache sei: „Das finde ich sehr, sehr positiv“, so Schwarz.

„Es ist auch schön, dass wir im Bezirk Krems so ein eindeutiges Ergebnis haben, dass wir hier wirklich schön vorne sind und dass klar herauskommt, dass die ÖVP die Europapartei Nummer eins ist“, so Schwarz über das Ergebnis in der Region Krems, wo die ÖVP mit 36,7 % noch deutlicher Erster wurde als auf Bundesebene. Die ÖVP-Verluste gegenüber der letzten EU-Wahl (3,7 % in der Region Krems) führt Schwarz auf die große Anzahl der wahlwerbenden Parteien zurück: „Diesmal sind so viele Gruppierungen angetreten. Damit ist es ganz schwer, so ein tolles Ergebnis, wie wir beim letzten Mal gehabt haben, zu halten.“

Positiv sieht Krems-Bürgermeister und SPÖ-Bezirksvorsitzender Reinhard Resch das SPÖ-Ergebnis. „Mit einem Gesamt-Plus von knapp einem Prozent können wir zufrieden sein. Mich freut aber besonders das Stadt-Ergebnis, die zwei Prozent, die wir im Vergleich zu 2009 dazugewonnen haben, sprechen für uns. Wir sind doppelt so gut!“, war der Stadtchef nach der Wahl durchaus in Feierlaune.

Generell betrachtet er das Ergebnis als ein Votum für die EU. „80 Prozent der Bevölkerung sind EU-Befürworter, und ich denke, dass das Ergebnis auch auf Regierungs-Ebene für die Koalitionsparteien tragbar ist“, sieht er das im Vorfeld angekündigte Kopf-an-Kopf-Rennen mit der ÖVP als „von außen gefordert“ und nicht realistisch.
Die Wahlbeteiligung sei mit über 51 Prozent im Bezirk sehr gut, wenn auch etwas geringer als 2009 – gewesen. Die Stadtwähler allerdings lagen mit 45 Prozent genau im Bundesschnitt.

FPÖ, Grüne, NEOS: Jubel

„Ein sensationelles Ergebnis!“, jubelt FPÖ-Landesparteiobmann Walter Rosenkranz über die Verdopplung der Mandate von zwei auf vier: „Wenn man schaut, wie sich die Mandate verschoben haben, haben wir den stärksten Gewinn eingefahren.“ „Ich bin sowohl mit dem Ergebnis Krems-Stadt als auch Krems-Land sehr zufrieden“, so Rosenkranz über die 17,6 % der FPÖ in Krems-Land (+ 6,9 %) und die 19,4 % in Krems-Stadt (+ 7 %).
Dass die FPÖ in einzelnen Gemeinden schon Zweiter sei oder Kopf an Kopf mit der SPÖ liege, mache Mut für die Gemeinderatswahl im nächsten Jahr.

Ein tolles Stadtergebnis kann die Grün-Bezirkschefin Sandra Mayer vorweisen: „12,9 Prozent gegenüber 8,9 im Jahr 2009 – das ist super!“ Insgesamt schaute in der Region Krems ein Plus von 4,5 Prozent (im Vergleich: auf Bundesebene 5,2) für die Grünen heraus. „Das Vertrauen in unsere Partei und in unsere Spitzenkandidatin war und ist da. Ich freu mich, dass wir weiter zulegen konnten“, sagt sie – noch dazu, wo der Wahlkampf in Krems im Vorfeld nicht gerade optimal verlaufen ist: Der Besuch von Madeleine Petrovic ist ja ins Wasser gefallen ...

NEOS go EU – auch im Bezirk Krems war die Zustimmung groß: 7,5 Prozent der Wähler wollen die Partei in Brüssel vertreten sehen. „Wir haben uns gegenüber der Nationalratswahl ordentlich gesteigert. Das Ergebnis ist großartig“, meint NEOS-Regionalsprecher Günter Kreuzhuber aus Gobelsburg. Noch besser lauten die Zahlen aus seiner Heimatgemeinde: In Langenlois wählten fast 10 Prozent die NEOS: „Wir haben mit einem Glaserl Kamptaler natürlich auf das Ergebnis angestoßen. Wir sind nicht mehr wegzudiskutieren, man wird weiterhin von uns hören.“

„Es hat sich gezeigt, dass wir bei der Materialschlacht nicht mithalten konnten“, so Ewald Stadler über das Abschneiden der Reformkonservativen, die den Einzug ins europäische Parlament nicht schafften, in der Region Krems mit 1,5 % jedoch etwas besser abschnitten als auf Bundesebene. Die 5,9 % in Stadlers Heimatgemeinde Grafenegg sind ein kleines Trostpflaster: „Das freut mich persönlich und menschlich, denn die Leute im Ort kennen mich“, so Stadler. Ob es für die Reformkonservativen eine politische Zukunft gebe, hänge davon ab, ob es gelinge, Finanzmittel aufzutreiben.