Susanne Rosenkranz: „Vielleicht muss ich mehr in mir ruhen“

Erstellt am 10. August 2022 | 05:03
Lesezeit: 4 Min
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Der Stadtpark war der von Susanne Rosenkranz gewählte Ort für das Vorwahlgespräch mit den NÖN-Redakteuren Martin Kalchhauser und Franz Aschauer.
Foto: Chris Leneis
FPÖ-Spitzenkandidatin Susanne Rosenkranz über das Privatleben im Doppel-Wahlkampf, Drogen in Krems und die MFG.
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NÖN: Wer ist der bessere Politiker? Susanne oder Walter Rosenkranz?

Susanne Rosenkranz: Kommunal mache ich es, glaube ich, gar nicht so schlecht. Für den Bundespräsidentenwahlkampf wäre ich aber eher nicht geeignet.

Wieso?

Rosenkranz: Weil Walter so eine unglaublich ruhige Art hat, ich bin hingegen manchmal aufbrausend und emotional. Vielleicht muss ich auch einfach noch ein bisschen älter werden und mehr in mir ruhen.

Wären Sie lieber First Lady oder Bürgermeisterin?

Rosenkranz: Definitiv Bürgermeisterin. Ich glaube, dass man hier in Krems sehr viel bewegen kann. Außerdem macht mir die Kommunalpolitik unglaublich viel Spaß, weil man bei den Menschen ist. Als First Lady oder Vorzimmerdame eigne ich mich überhaupt gar nicht.

Sowohl Ihr Mann als auch Sie befinden sich im Wahlkampf. Bleibt da das Familienleben auf der Strecke?

Rosenkranz: Teilweise. Der heurige Sommer und die Ferien sind für meine Kinder nicht sehr lustig. Ich habe in dieser Zeit immer sehr viel mit ihnen unternommen, aber weil sich der Bürgermeister relativ wenig mit Kindern befasst, hat er nun einmal den Wahltermin im Sommer gewählt. Gott sei Dank habe ich bereits große Kinder, die sich rührend um den Jüngsten kümmern und versuchen, auch mich zu unterstützen.

Sie sind von allen Parteien die einzige Frau an der Spitze. Ist das ein Vorteil?

Rosenkranz: Es ist sicher nicht schlecht, dass auch weibliche Ideen und Denkweisen Berücksichtigung finden.

Das Ressort Sicherheit war in den vergangenen Jahren in FPÖ-Hand. Gerade da gibt es aber Probleme.

Rosenkranz: Es gibt mehrere Dinge, die da hineinspielen. Die Polizei ist Bundessache und daher nicht in meiner Kompetenz. Wenn man sagt, das Thema Sicherheit ist Chefsache und man lädt mich nicht mehr zu Sitzungen ein, dann muss man auch die Verantwortung übernehmen. Das müsste der Herr Bürgermeister, was die nicht vorhandene Sicherheit in der Innenstadt und die Drogenthematik betrifft, tun.

Mit Letzterer haben Sie einen Nerv getroffen. Zuletzt lud Bürgermeister Resch zu einem Sicherheitsgipfel, bei dem die Opposition nicht eingeladen war. Was wäre Ihr Ansatz der Problemlösung?

Rosenkranz: Der Sicherheitsgipfel war eine typische Placebo-Aktion des Bürgermeisters. Das hätte man viel breiter aufstellen müssen. Ich würde mir mehr Aufklärungsarbeit wünschen und auch mit den Schulen und den Sportvereinen wesentlich enger zusammenarbeiten, wo der direkte Zugang zu den Jugendlichen möglich ist. Nach zwei Jahren Pandemie, in denen die Kinder eingesperrt waren, glauben viele, jetzt mehr ausprobieren zu müssen. Das macht mir schon Angst.

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Susanne Rosenkranz ist die einzige Frau an der Spitze der für die Wahl kandidierenden Parteien.
Foto: Chris Leneis

Ihr Mann hat die Thematik bei einer Pressekonferenz im ORF angesprochen. Der Bürgermeister replizierte daraufhin, die FPÖ redet Krems schlecht.

Rosenkranz: Das finde ich überhaupt nicht. Beim Thema Drogen darf man einfach nicht wegschauen und auch keinesfalls verharmlosen. Jedes Kind, das Drogen konsumiert, ist ein Kind zu viel. So dumm zu reagieren, zeigt nur, dass der Herr Bürgermeister da wahrscheinlich schon im Wahlkampf war.

Beim Jugendzentrum Mitterau hat sich die FPÖ besonders pointiert dagegen ausgesprochen, wollte die Jugendlichen in einen Container, am besten in der Nähe der Polizei verbannen. Die befürchteten Probleme sind ausgeblieben. Würden Sie wieder so agieren?

Rosenkranz: Es gibt sehr viele alte Menschen, die sagen, es gefällt ihnen nicht, dass dort so viele Jugendliche sind. Sie behaupten, der Park würde immer weniger Platz für sie bieten, und der Wirbel wird immer größer. Erst vor Kurzem hat mir ein älterer Mann erzählt, er sei aufs Äußerste beschimpft worden. Und übrigens: Ich arbeite, seitdem das Parlament umgebaut wird, nur in Containern, und es ist herrlich.

Die FPÖ hat 2017 sechs Mandate erreicht. Wird dieser Höchststand zu halten sein?

Rosenkranz: Ich möchte keine Prognosen abgeben, weil sich natürlich viel verändert hat. Wir haben acht Parteien, die antreten werden. Das Spektrum ist breiter geworden. Ich wünsche mir, dass wir zulegen.

Auch die MFG tritt an. Bereitet Ihnen das Kopfzerbrechen?

Rosenkranz: Keine andere Partei macht mir Kopfzerbrechen. Da bin ich vielleicht eine etwas eingebildete Pute. Aber ich habe jetzt fünf Jahre keine schlechte Arbeit gemacht. Und ich hoffe, die Menschen haben das erkannt und schätzen es, dass es nicht immer den Einheitsbrei gibt, wo alle zustimmen und immer alles durchwinken.

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