Schließt Kremser Lokal „Fair“ zum Jubiläum?. Lokal „Fair“ steht unmittelbar vor seinem ersten Geburtstag vor dem Aus.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 05. Juni 2019 (05:51)
Johann Lechner
Christoph und Anna Aichinger bangen um den Fortbestand ihres Ess- und Cocktail-Lokals. Foto: Johann Lechner

Am 13. Juni feiert das Ess- und Cocktaillokal „Fair“ am Langenloiser Berg seinen ersten Geburtstag. Zwei Tage später könnte der Gastronomiebetrieb Geschichte sein; das Geld fehlt. „Die Bank wollte eigentlich, dass wir schon Ende Mai zusperren, hat uns dann aber glücklicherweise doch noch eine Zwei-Wochen-Frist gewährt“, erzählt Inhaberin Anna Aichinger.

„Ohne Wunder müssen wir am 15. Juni zusperren. Ich hoffe, dass sich ein Geldgeber meldet, der unser Projekt unterstützt.“„Fair“-Chefin Anna Aichinger

Vor wenigen Tagen hat sich die 55-Jährige mit einem dramatischen Aufruf an die Facebook-Community gewendet. Es gebe nur eine Chance für das „Fair“, nämlich wenn die Besucherzahlen ab sofort merklich ansteigen, heißt es darin. Die Reaktionen darauf? „Unglaublich! Wir haben seitdem deutlich mehr Gäste, viele Leute haben sich auch persönlich bei mir gemeldet“, freut sich Aichinger, die aber sogleich auf die Euphoriebremse steigt: „Ohne Wunder müssen wir am 15. Juni zusperren. Ich hoffe ja, dass sich ein Geldgeber meldet, der unser Projekt unterstützen möchte.“

Dass die Philosophie des „Fair“ keine der Kategorie „0815“ ist, zeigt schon alleine die Mitarbeiterstruktur, denn unter seinem Personal hat der Gastronomiebetrieb auch drei Menschen mit Handicap, die sich als wichtige Unterstützung herausgestellt haben. Aichinger und ihr Sohn Christoph, der Mann für die Bar, beschreiten diesen Weg als Vorreiter. Mit Stand April waren es insgesamt nur zehn Menschen mit Behinderung, die das AMS 2019 vermitteln konnte. 156 waren noch auf Jobsuche.

Nach möglichen Erklärungen dafür, dass das Abenteuer eigenes Lokal nach nur einem Jahr schon wieder vorbei sein könnte, hat Aichinger schon gesucht. „Ich glaube, dass wir zu wenig bekannt sind. Es muss im Bewusstsein der Leute sein, dass es uns gibt.“ Darüber hinaus sei der Standort nicht perfekt, auch die völlige Nichtraucherregelung – selbst im Hof des Ärztehauses ist Rauchverbot – spiele vor allem am Abend eine Rolle. „Wenn es ein Nichtrauchergesetz gäbe, würden wir uns leichter tun“, sagt Aichinger.

Aichinger sieht ihre Existenz bedroht

Am veganen Speisenschwerpunkt könne es jedenfalls nicht liegen, der sei sehr gut angenommen worden. „Selbst unsere 80-jährige Nachbarin hat gesagt, wir machen sie noch zur Veganerin“, erzählt Aichinger.

Wie es für sie und ihren Sohn weitergeht, falls es zur Schließung des „Fair“ kommt, weiß Aichinger noch nicht. „Ich kann nicht einmal sagen, ob ich meine Wohnung behalten kann oder nicht.“ Selbst bei der Caritas habe sie schon um Hilfe gebeten, dort sei aber die Auskunft gekommen, es würden keine Unternehmer in Not unterstützt. Aichingers Antwort: „Ich bin ein Mensch in Not!“

Vier Mitarbeiter wären neben Sohn Christoph von der Schließung betroffen.