Bezirk Krems: Wahlkampf auf Facebook. Nur sieben von 30 Bürgermeistern nützen Social Media für politische Zwecke.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 20. November 2019 (06:06)

Spitzenpolitiker, die ohne Social Media auskommen? Das ist heutzutage praktisch undenkbar. Wo wäre etwa ein Donald Trump ohne seinen Twitter-Account? Doch wie sieht es mit Facebook, Insta gram und Co. auf lokalpolitischer Ebene aus? Die NÖN hat es herausgefunden.

„Möchte die jungen Leute erreichen, die lesen aber keine Zeitung“

Von 30 Bürgermeistern im Bezirk Krems nützen nur sieben Facebook, um Partei- oder Gemeindeinhalte zu transportieren. Vier von ihnen tun das über ihren privaten Account, drei Ortschefs haben eine eigene Seite. Auf Instagram, das Facebook mittlerweile von der Erstwählergeneration bis zu den Mittzwanzigern überholt hat, ist kein Bürgermeister aktiv.

Ein Neuling auf Facebook ist Harald Leopold. Der Stadtchef von Langenlois hat seit 1. September eine eigene Seite. Betreiben tut diese der 66-Jährige nicht selbst. „Gemeinderatsmitglieder“ würden die Seite ehrenamtlich betreuen, erzählt Leopold im Gespräch.

Der Langenloiser Bürgermeister Harald Leopold sammelte auf seiner Facebook-Seite in rund zwei Monaten 351 Likes. Foto: Screenshot
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Zufällig ist der Start der bürgermeisterlichen Facebook-Präsenz in der zweitgrößten Stadt im Bezirk nach Krems nicht gewählt worden.

„Die Gemeinderatswahl im Jänner 2020 war mit ein Grund. Ich möchte die jungen Leute erreichen, die lesen aber keine Zeitung. Ich überlege, ob ich Instagram auch noch mache. Wobei ich noch keine Idee habe, wie ich meine Inhalte im Kurznachrichtenstil transportieren kann“, sagt Leopold.

Resch sieht Entwicklung trotz Erfolgs kritisch

Schon deutlich länger als sein Gegenstück in der Weinstadt hat Roman Janacek eine eigene Facebook-Seite. Bergerns Bürgermeister kämpfte dort im Jänner 2018 intensiv um den Einzug in den Landtag, der ihm am Ende verwehrt blieb. Seitdem ist auf der Seite tote Hose.

Janacek postete nach dem 28. Jänner 2018 nur noch drei Mal. „Ich bin beruflich sehr viel unterwegs und habe einfach keine Zeit mehr“, erklärt er. Im Vorfeld der Gemeinderatswahl wolle er aber wieder mehr posten. Dass er dann nur junge Leute abholt, glaubt Janacek nicht. „Die ältere Generation tendiert immer mehr in Richtung Facebook. Die Jugend hat schon wieder andere Kanäle.“

Die Landespartei der ÖVP, der alle sieben „Facebook-Bürgermeister“ aus dem Bezirk Krems angehören, gibt keine Leitlinie zur Social-Media-Nutzung vor. Den Ortschefs werde lediglich empfohlen, „jeden Kanal zu nutzen, der einen Austausch mit den Bürgern ermöglicht.“ Wenngleich soziale Medien nie den persönlichen Kontakt ersetzen könnten.

Die größte Facebook-Erfahrung aller Politiker im Bezirk hat übrigens Reinhard Resch. Der Kremser Bürgermeister hat seit 2016 seine eigene Facebook-Seite, die mittlerweile 1.049 Likes hat.

Die Entwicklung auf der Plattform sieht der 64-Jährige trotz seines Erfolgs kritisch. „Es geht zunehmend in Richtung ‚Fakebook‘. Dass man mit Twitter sogar Weltpolitik machen kann, wird uns seit zwei Jahren gezeigt. Ich hoffe, das geht bald wieder vorbei.“ Ratschläge von seiner Tochter Angelika holt sich Resch für seinen Facebook-Auftritt nicht ein. Sie hat mit ihrem Food- und Lifestyle-Blog „hellopippa“ 73.000 Follower auf Instagram.