Erntehelferin: „Ich arbeite meine Schulden doch ab!“. Kremser Hauer nehmen es gelassen, dass Erntehelferin (43) Schulden verspätet zurückzahlt.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 04. Oktober 2018 (05:11)
Shutterstock.com/Billion Photos
Symbolbild

„Ich bin nicht schuldig“, erklärte eine 43-jährige Kremserin sichtlich echauffiert vor Gericht über den Betrugsvorwurf. Sie habe zu den Kremser Darlehensgebern, bei denen sie immer wieder als Erntehelferin im Einsatz sei, sehr guten Kontakt, sagte die Beschuldigte und beteuerte: „Bei finanziellen Engpässen habe ich halt immer wieder einmal um einen Vorschuss gebeten und ihn auch erhalten. Die Leute kennen mich und wissen, dass ich immer für meine Schulden aufkomme.“

„Mitunter sehr verspätet, manche warten noch immer“, entgegnet ihr Richter Gerhard Wittmann darauf.

„Das ist saisonal bedingt. Ich kann dort ja nicht das ganze Jahr arbeiten. Wenn die Saison vorbei ist, dann muss ich bis zum nächsten Arbeitseinsatz warten, dann dauert es mit der Schuldenbegleichung halt etwas länger. Aber ich habe meine Schulden immer abgearbeitet“, hielt die Beschuldigte dagegen, und auch ihr Rechtsbeistand sieht keinen Betrugsvorsatz.

Die vermeintlichen Opfer sehen es gelassen und erklärten einhellig im Zeugenstand: „Sie wird die offenen Geldbeträge schon noch abarbeiten.“ Ein Hauer erklärte sogar: „Ich fühle mich nicht betrogen.“

„Solche Gläubiger sind selten“, meinte der Richter verwundert. Nach dem Beweisverfahren befand er die Frau in einigen Fakten für schuldig und verhängte über sie fünf Monate bedingt. Die Kremserin bedankte sich und bekundete schnelleren Zahlungswillen.