Freispruch nach Seil-Unglück auf Spitzer Spielplatz. Mädchen erlitt bei Unfall auf Spitzer Spielplatz schwere Verletzungen. Schlampige Inspekteure kamen ohne Strafe davon.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 09. Juli 2019 (05:09)
shutterstock.com/Songdech Kothmongkol
Symbolbild

Ein Unfall am Spielplatz in Spitz zog für einen Gerätehersteller aus der Steiermark und seinen Angestellten eine Verhandlung am Landesgericht Krems nach sich.

Ein kleines Mädchen aus der Wachaugemeinde fuhr am 20. Oktober 2018 im „Seiledschungel“ mit einer Pendelsitz-Seilbahn, als circa zur Mitte der Fahrt die Seilschlaufe des Laufseiles riss. Das Kind fiel aus einer Höhe von 1,20 Meter so unglücklich auf den darunter liegenden Rindenmulchboden, dass es sich knöcherne Absprengungen am rechten Außenknöchel und am Kahnbein zuzog.

Firmeninhaber: In 15 Jahren seien nur zwei solcher Seile gerissen

Der 54-jährige Angestellte hatte es verabsäumt, bei der Hauptprüfung im April 2018 eine ordnungsgemäße Inspektion des Geräts durchzuführen. Sein 58-jähriger Chef wusste das und unterfertigte trotzdem das zugehörige Gutachten, so weit die Anklage. Beide mussten sich wegen grob fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Anstatt das stark verrostete Stahlseil im Inneren des Nylonseils herauszuschrauben, habe er lediglich durch händische Freilegung von außen versucht, einen Blick auf das Innenleben des Seils zu erhaschen, erzählte der 54-Jährige bei der Verhandlung. „Dann habe ich noch einen Wipptest mit meinen 100 Kilo gemacht.“

Der 58-jährige Firmeninhaber tat kund, dass ihm „die Geschichte furchtbar leid“ tue, betonte aber sogleich die Außergewöhnlichkeit des Vorfalls, weil in den vergangenen 15 Jahren erst zwei solcher Seile gerissen seien. „Einmal weil ein Baum darauf gestürzt ist, und ein anderes Mal, weil ein Traktor angefahren ist.“

Einen alles andere als souveränen Auftritt legte im Anschluss der Sachverständige, der das Unglücksseil untersucht hatte, hin. Mehrmalige Fragen, ob äußere Einflüsse das Seil zwischen der Hauptprüfung im April und dem Unfall im Oktober beschädigt haben könnten, beantwortete er widersprüchlich.

Richterin Monika Fasching-Lattus sprach das Duo daraufhin „im Zweifel zugunsten des Angeklagten“ frei. „Wir alle wissen nicht, was in dem halben Jahr auf dem Spielplatz passiert ist. Ob es jetzt das Wetter ist oder feiernde Jugendliche – es gibt zu viele Unsicherheitsfaktoren“, begründete sie das Urteil, das bereits rechtskräftig ist.