Krems

Erstellt am 24. Mai 2017, 05:39

von Jutta Hahslinger

Dieb: „Offene Tür war ja quasi wie eine Einladung“. Unterstandloser fühlte sich in Kremser „Hafenschenke“ eingeladen: „A Lokaltür muss ich gesetzlich zusperren, net nur abspreizen.“

Symbolbild  |  NOEN, Symbolbild

„Geben Sie jetzt dem Opfer, der Lokalchefin, die Schuld für Ihren Einbruch?“, fragt Richter Gerhard Wittmann verblüfft über die dreiste Verantwortung des 41-jährigen Beschuldigten nach.

Richter Gerhard Wittmann  |  Hahslinger

„Irgendwie schon“, meint dieser und erklärt beflissen: „A Lokaltür muss i gesetzlich doch zusperren, net nur verspreizen. Des war ja a Einbruchsvorlage, quasi a Einladung.“

„Und dann haben Sie es sich im Lokal a bisserl gut gehen lassen“, kommentiert der Richter das Ess- und Trinkgelage des Unterstandlosen im Kremser Lokal „Hafenschenke“.

„Ja“, gibt der 41-Jährige unumwunden zu und schildert: „Ich hatte einige harte Monate auf der Straße hinter mir, und ich brauchte dringend was zum Essen, sonst wär‘ ich umgefallen und jetzt tot. Ich habe mich frisch gemacht und mich dann gestärkt. Aber ich habe nix brutal aufgebrochen oder was kaputt gemacht. Ich habe auch keinem Menschen was getan.“

„Die Lokaltür zeigte aber schon Spuren Ihres unsanften Eindringens“, kontert der Richter und verhängt über den vorbestraften 41-Jährigen wegen Einbruchdiebstahls und Sachbeschädigung eine teilbedingte Freiheitsstrafe: 12 Monate, davon muss er drei Monate hinter Gittern absitzen.