Fehler auf Denkmälern: Aus 1656 wurde 1696!. Älteste Kriegerdenkmäler Niederösterreichs stehen in Gösing (Gemeinde Fels am Wagram). Karl Grob entdeckte Änderung der Jahreszahl, die zu einer „Verjüngung“ des Wölfelkreuzes führte.

Von Günter Rapp. Erstellt am 06. März 2021 (05:12)
Das Schwedenkreuz mit der richtigen Jahreszahl 1656.
Grob (2)

Eigentlich handelt es sich um zwei Bildstöcke, die als Dank für das Ende der Schwedenkriege (30-jähriger Krieg) errichtet wurden. Bezeichnet werden sie aber landläufig als „Kriegerdenkmäler“.

Karl Grob, Obmann des Kameradschaftsbundes Gösing-Stettenhof, hat sich während der Pandemie des Themas angenommen. In Österreich forderte Kaiser Ferdinand III. im Jahre 1650 begüterte Untertanen auf, „zur Ehre Gottes, als Danksagung und zum Gedächtnis, an Straßen, Pässen und Wegschei-dungen steinerne oder andere Kreuze zu errichten“. Hobby-Historiker Karl Grob: „Holz ist verrottet. Eisen ist verrostet. Stein ist geblieben – in Gösing gleich zweimal!“

Am Wölfelkreuz wurde die Jahreszahl auf 1696 „vermeißelt“.
Grob (2)

Das Schwedenkreuz steht im Norden, wo der „alte Salzweg“ aus einem Graben heraustritt. „Von diesem Standort aus hat man einen Blick über das Hügelland im Norden und Osten, von wo einst die schwedischen Landsknechtscharen eingedrungen waren. Sie haben die Region durch kriegerische Gräuel lange Zeit hindurch in Angst und Schrecken versetzt“, weiß Grob, da jetzt auch der Schriftverkehr mit dem Bundesdenkmalamt gefunden wurde. Die Nischeninschrift lautet: „LOBED ALE GOD WEIL ER VNS HAD GEFIRD AUS GRIEGES NOD 1656“. Dass dieser Bildstock wirklich original und somit 365 Jahre alt ist, erkennt man an der Schreibweise der Jahreszahl 1656 und dass das „AU“ in „AUS“ mit hochgestelltem „U“ geschrieben wird.

Doch Karl Grob weiß auch über das Schwedenkreuz, das Wölfelkreuz, südlich der Ortschaft. In der Schulchronik Gösing ist am 12. Mai 1957 folgendes vermerkt: „Auf langjähriges Betreiben des Schulleiters Alfred Scheithauer haben nun endlich brave Männer dieses aus dem Jahre 1656 stammende Marterl vor dem sicheren Verfall gerettet. Das Marterl lehnte an einer unschönen Holzhütte, einen traurigen Anblick bietend. Nun hat der Kameradschaftsverband einen kleinen, netten Platz geschaffen, Bänke aufgestellt, Sträucher gepflanzt und das Marterl dorthin versetzt.“

Grob hat erforscht, was mit diesem Standbild passiert ist, wie es zu einer denkwürdigen „Verjüngung“ des Bildstocks kam. Das Denkmal war so desolat, dass ein Kostenvoranschlag eingeholt wurde und dem Bundesdenkmalamt mit der Bitte um finanzielle Unterstützung vorgelegt wurde. Die Antwort – salopp wiedergegeben – war: „Sehr lobenswert, aber Geld gibt’s leider keines.“

Datum auf Denkmal wurde „vermeißelt“

Also musste das Denkmal in Eigenregie renoviert werden, den fehlenden Kreuzaufsatz und die Tafel mit der Inschrift musste man neu anfertigen lassen. Bei der Jahreszahl, bei der vorletzten Ziffer, passierte es: Der Meißel wurde offenbar falsch angesetzt, und so entstand aus der 5 eine 9. Also 1696.

Ursprünglich als „Dank für die Beendigung des 30-jährigen Krieges“ errichtet, wurde das Marterl dann als „Dank für das Ende des Zweiten Weltkrieges“ renoviert und neu aufgestellt. Im im Jahr 2000 erstellten Marterl-Führer wird es folgendermaßen beschrieben: „Von diesem Punkt hat man einen schönen Blick über das östliche Tullnerfeld, wo sich am 12. 9. 1683 die Heermassen für die Befreiung Wiens von der Türkenbelagerung gesammelt hatten.“