Ein Jahr Historikerbeirat in Krems: Eine Bilanz. Im November 2019 gründete sich jenes Gremium, das der Stadt Empfehlungen im Umgang mit seinem problematischen Erbe gibt. Sichtbar getan hat sich bisher wenig.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 25. November 2020 (05:37)
Eine Zusatztafel beim Denkmal für Wehrmachtsgeneral Karl Eibl soll demnächst aufgestellt werden.
Franz Aschauer

Die Vorbereitungen für die Umbenennung der Maria-Grengg-Gasse in Stein laufen.
Franz Aschauer

Eine erklärende Tafel beim Denkmal für Wehrmachtsgeneral Karl Eibl am Südtirolerplatz, die Umbenennung der Maria-Grengg-Gasse in Stein und eine gutherzige Mitarbeiterin einer Haftanstalt im Naziregime als Namensgeberin für einen bisher namenlosen Park bei der Höheren Lehranstalt für Mode und Wirtschaft.

Was haben all diese Empfehlungen des Historikerbeirats, die Output seiner konstituierenden Sitzung am 28. November 2019 waren, gemein? Sie sind nicht umgesetzt worden.

Seit Februar-Sitzung herrscht sogar Funkstille

Um das sechsköpfige Gremium, bestehend aus vier Wissenschaftern und Kulturamtsleiter Gregor Kremser sowie Stadtarchivar Daniel Maier als Vertreter der Stadt, ist es seit seiner Gründung vor einem Jahr ruhig geworden.

Seit der Sitzung des Gemeinderats am 26. Februar 2020, in der die Mandatare – bis auf jene der FPÖ – die oben erwähnten Empfehlungen abnickten, herrscht gar Funkstille. Wegen der Coronakrise fand heuer auch bisher nur eine statt der zwei vorgesehenen Sitzungen statt. In der nächsten Gemeinderatssitzung im Dezember sollen weitere Empfehlungen des ehrenamtlich arbeitenden Historikerbeirats diskutiert werden.

Was ist passiert, seit die Kommission, ausgestattet mit vielen Vorschusslorbeeren aus allen politischen Richtungen, 2019 zum besseren Umgang der Stadt Krems mit der eigenen Vergangenheit eingesetzt worden ist? Sichtbare Veränderungen gibt es bisher nicht.

Lediglich eine der vier abgegebenen Empfehlungen ist umgesetzt worden. Dem Antisemiten Franz Xaver Kießling wird am 1. November kein Kranz mehr auf sein Grab am städtischen Friedhof gelegt. Im Vorjahr sorgte diese Geste noch für große Aufregung.

Denkmäler, Ehrenbürger und Co. stehen im Fokus

Ehrenbürgerschaften, Ehrengräber, Straßennamen und Denkmäler. Das sind die Hauptbetätigungsfelder des Historikerbeirats. In der früheren Gauhauptstadt Krems stehen naturgemäß problematische Würdigungen für Unterstützer des Nazi-Regimes im Fokus.

Dass sich seit November 2019 in dieser Sache fast nichts getan hat, lässt Kulturamtsleiter Kremser nicht gelten.

Kulturamtsleiter Gregor Kremser: „Es ist sehr viel im Hintergrund passiert.“
Martin Kalchhauser

„Es ist sehr viel im Hintergrund passiert, so wurde etwa mit den Anrainer-Institutionen in der Maria-Grengg- Gasse über eine Umbenennung gesprochen. Wichtig ist es eben, immer auch Überzeugungsarbeit zu leisten und Bewusstsein zu schaffen. Für die Zusatztafel zum Eibl-Denkmal wurde inzwischen ein Text formuliert, hier ging es darum, ein geeignetes Wording zu finden. Gerade zeithistorische Themen bedürfen einer genauen und multiperspektivischen Betrachtung. Intensive Informations- und Kommunikationsarbeit sind damit verbunden. Oft sieht man dann nur die Ergebnisse, nicht aber den mindestens genauso wichtigen Prozess dahinter.“

„Ein bisschen zu langsam“ geht hingegen dem wohl bekanntesten Mitglied des Historikerbeirats die Umsetzung der Empfehlungen. Historiker und Buchautor Robert Streibel hofft in Zukunft auf schnellere Ergebnisse, betont aber, dass Krems mit der Einsetzung des Gremiums einen Schritt nach vorne in der Bewältigung seiner eigenen Vergangenheit gemacht habe.

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