Aggression nimmt zu: Mehr Problemhäftlinge in JA Stein. Personalvertreter in Justizanstalt Stein beobachtet zunehmende Aggression von Insassen gegenüber Bediensteten.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 11. Dezember 2019 (06:01)
Übergriffe von Insassen gegen Beamte sind in Stein keine Seltenheit.
Lechner

Gäbe es ein Ranking der schönsten Arbeitsplätze in Krems, wäre die Justizanstalt Stein wohl nicht im Vorderfeld. Täglich Dienst zu versehen unter Österreichs gefährlichsten Verbrechern ist ein Knochenjob. Jeder, der sich für eine Stelle im Hochsicherheitsgefängnis bewirbt, weiß das vermutlich.

Personalvertreter Roman Söllner (AUF) fordert zusätzliches Personal.
Martin Kalchhauser

Und doch hat sich die Situation für die rund 300 Beamten der Justizwache in den vergangenen Monaten noch einmal verschärft. Das sagt Roman Söllner, Personalvertreter für die freiheitliche Gewerkschaftsfraktion AUF. „Die Intervalle der Übergriffe am Personal sind kürzer geworden.“ Die Ursache sieht Söllner im Personalmangel, der Stein wie viele andere Justizanstalten seit längerer Zeit begleitet.

„Wir brauchen noch 30 weitere Leute“

Dass seit Kurzem sieben junge Bedienstete am „Felsen“ in Ausbildung stehen, sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Wir brauchen noch 30 weitere Leute“, sagt Söllner. Im Justizministerium bestätigt man einen kausalen Zusammenhang zwischen den Übergriffen und dem Personalmangel zwar nicht, räumt aber ein, dass eine „Häufung schwieriger Insassen tatsächlich feststellbar“ sei.

Einer aus dieser Kategorie ist Mohammed F. (Name von der Redaktion geändert). Er ist ein „Untergebrachter“, also ein Häftling des Maßnahmenvollzugs, wo geistig abnorme Rechtsbrecher einsitzen. Ende November verletzte sich F. mit einer Rasierklinge selbst an Arm und Oberschenkel. Nach der Öffnung des Haftraums würgte F. die Rasierklinge aus seinem Rachen herauf. Unmittelbar danach sagte er dem anwesenden Nachtdienstkommandanten: „Sie haben eine schöne Tochter“. Die junge Frau ist ebenfalls in Stein beschäftigt.

Noch während der Fahrt ins Spital bedrohte F. einen weiteren Beamten mit den Worten „Ich erwische dich schon noch, wenn ich draußen bin.“ Angekommen im Krankenhaus, verletzte er sich mit einer weiteren im Mund versteckten Rasierklinge am Oberkörper und am anderen Arm.

Ein Schädelröntgen sollte abklären, ob F. noch weitere Klingen im Hals- und Rachenbereich verbirgt. Dagegen wehrte sich der mittlerweile böse zugerichtete Häftling massiv und trat seinem begleitenden Beamten in den Genitalbereich. Der blieb wohl nur wegen des verpflichtenden Tragens einer Bleischürze im Röntgenraum unverletzt. Wie sich herausstellte, hatte F. wirklich noch eine Rasierklinge versteckt.