Internist Kronik: „Ausbau des Angebots in Krems nötig!“. Kardiologie-Pionier Gerhard Kronik verlangt zusätzliche Behandlungsplätze.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 15. Mai 2019 (06:02)
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Internist Gerhard Kronik: „Macht keinen Sinn, Hochleistungsplatz zuzusperren.“

„Es ist klar, dass mich der Plan, die Kardiologie von Krems nach Zwettl zu verpflanzen, nicht freut“, kommentiert der Internist, ehemalige Primar (1987 – 2013) und Ärztliche Direktor (1993 – 2010) Gerhard Kronik die Abwanderungspläne.

Er kann aber mit zahlreichen Fakten untermauern, dass hier Unsinn zu passieren droht, falls der älteste Herzkatheter (HK) Niederösterreichs von hier abgezogen wird.

Kronik, der an diesem Standort vor fast 30 Jahren Aufbauarbeit geleistet hat, hat sich erkundigt, wo er wie schnell einen Termin für eine Herzkatheteruntersuchung bekommen könnte. Zwischen acht (Mistelbach) und 14 Wochen (St. Pölten) beträgt die Wartezeit!

„Die Versorgungssituation ist angespannt“

In Wien könnte man nach 3,5 Wochen drankommen. Positiver „Ausreißer“ in NÖ: Waidhofen/Ybbs, das vermutlich so dezentral liegt, dass es nicht angenommen wird. „HK-Zentren in Ballungsräumen tragen zur Versorgung mehr bei als die in dünn besiedelten Gebieten.“

Shutterstock/Dmitry Kalinovsky
Die Abwanderung nach Zwettl sollte nach Ansicht von Fachleuten kein Thema sein. Es wäre sogar ein zweiter Behandlungsplatz in Krems gerechtfertigt. Foto: Shutterstock/Dmitry Kalinovsky

„Die Versorgungssituation ist angespannt“, betont Kronik. In Österreich gebe es insgesamt 54 Behandlungstische für kardiologische Eingriffe. 150.000 Patienten kommen auf einen. In Wien betrage die Zahl 125.000, in NÖ dagegen 240.000!

Daher seien zusätzliche Behandlungsplätze, etwa in Krems oder St. Pölten, nötig. „Und der Bedarf ist steigend. Es gibt immer mehr komplexe, sehr zeitintensive Eingriffe, beispielsweise auf dem Gebiet der Elektrophysiologie, mit der man Rhythmusstörungen dauerhaft heilen kann, oder Ablationen (bei Vorhofflimmern, Anm.)“, erwartet Kronik wachsenden Andrang. „Ich muss betonen, dass ich nichts gegen Zwettl habe. Aber qualifizierte Ärzte, die sich den Job aussuchen können, werden nicht dorthin wechseln.“

Am Rande einer Pressekonferenz in St. Pölten betonte Landeshauptfrau-Stv. Stephan Pernkopf zum Thema: Er wolle „die bestmögliche medizinische Versorgung. Entscheidungen werden nicht fallen, solange die neue Landesgesundheitsagentur nicht in Betrieb ist.“