Stein-Häftlinge: Ausbildung beugt Rückfälligkeit vor. Pädagogischer Dienst motiviert Stein-Häftlinge zum Lernen. Annamaria Florreither investiert viel Engagement in ihren Job.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 19. August 2018 (06:50)
Martin Kalchhauser
René Sterz und Annamaria Florreither bei der Beratung eines Insassen über Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen in der Strafvollzugsanstalt Krems-Stein.

Wichtige Arbeit wird in der Strafvollzugsanstalt (StVA) Stein im Bereich der Ausbildung geleistet. Lernwillige Insassen finden ein buntes Angebot vor. Wer dieses nützt, hat nach der Entlassung deutlich bessere Chancen.

Florreither: „Mir wird nicht fad!“

Der gute Geist hinter diesen Bemühungen ist Annamaria Florreither. Die studierte Soziologin und Psychologin, die über weitere Ausbildungen (Businessmanagerin, Human Ressource Managerin) verfügt, ist seit 2010 in Stein tätig und bemüht sich – an ihrer Seite den Sachbearbeiter René Sterz und seine Kollegen aus der Justizwache –, den Häftlingen Angebote zu machen.

„Mir wird nicht fad!“, scherzt die Frau. „Wenn ein neuer Gefangener kommt, unterhalte ich mich mit ihm, schaue, welches Ausbildungsniveau er hat und setze dort oder bei seinen Wünschen an.“

Zur fröhlichen Mitarbeiterin des Pädagogischen Dienstes – das Angebot gibt es nur in Stein, Simmering und Favoriten! – kommt jeder der keine Ausbildung hat, jeder unter 27 und „jeder, der will“. Ihr Vorteil, so Florreither: „Ich bin keine Justizwachebeamtin. Das ist sicher ein vertrauensbildender Faktor.“

Vernetzungsarbeit mit hilfreichen Partnern

Zwingen könne sie niemanden, die Haft zu nützen, aber oft gelinge es bei einem zweiten Gespräch, zu überzeugen. Die Angebotspalette ist breit – vom Deutschkurs über die Facharbeiterausbildung bis zum Studium. „Ich hatte einen Häftling aus der Baubranche, der hat als Freigänger ein Architektur-Doktoratsstudium abgeschlossen!“

Wichtig sei die Vernetzungsarbeit mit AMS und WIFI und anderen Partnern. So habe man die Landesberufsschule Geras für die Gastronomie-Ausbildung an Bord, bei angehenden Reinigungstechnikern arbeite man mit der Gebäudereinigungstechnikakademie Wien zusammen.

„Ich liebe meinen Job, und ich schaue drauf, dass die Leute weiterkommen“, ist Florreither überzeugt, mit ihrer Arbeit die Integration in den Arbeitsmarkt zu verbessern und so dazu beizutragen, die Rückfallsrate zu senken. Übrigens: Während Gruppenangebote aus Mitteln der Justiz bezahlt werden, erarbeiten sich Häftlinge ihre persönliche Ausbildung aus eigenen Mitteln (Lohn und Prämien für Arbeit in Haft, Unterstützung durch Angehörige). Und der Verein Soziale Integration, der Produkte der Insassen vertreibt, hilft ebenso mit.

Die Arbeit der Pädagogin ist keine einfache. Ihre Fröhlichkeit hat sich die ehemalige Geschäftsführerin eines Pflegehospizes aber auch hinter dicken Mauern und Gitterstäben bewahrt. Und sie kann sich immer wieder motivieren: „Die Freude über Erfolge überwiegt!“