Skorpion nur noch in Krems? Eine spannende Spurensuche. Skorpion konnte in NÖ offenbar nur in Krems überleben. Jetzt wird um Hinweise gebeten.

Von Petra Vock. Erstellt am 31. Oktober 2018 (07:27)
Scheuch
Im Mittelalter als „Heilmittel“ gegen die Pest importiert und bis heute in Krems heimisch: Der Kremser Skorpion ist Gegenstand eines Forschungsprojektes, bei dem die Bevölkerung zur Mithilfe aufgerufen ist. Dieses Exemplar wurde in einer Wohnung am Langenloiserberg gefunden.

„Die ersten Fragebögen kommen zurück – die Leute berichten, dass immer wieder Skorpione in Krems gesehen werden und dass es sie noch gibt. Das ist mehr, als man vor Kurzem noch gewusst hat“, freut sich Martin Scheuch über den guten Start eines Forschungsprojektes mit Bürgerbeteiligung.

BRG Krems
Mit Schülern beim Projekt dabei: BRG-Lehrer Hannes Wurzenberger.

Gemeinsam mit BRG-Schülern und Lehrer Hannes Wurzenberger ist der Biologe aus Zöbing dem Kremser Skorpion auf der Spur und bittet um Hinweise.

„Rezepte mit lebenden Skorpionen gegen Pest“

Dass der Skorpion in Krems überleben konnte, ist nicht selbstverständlich: „Er steht auf der Roten Liste und ist in NÖ vom Aussterben bedroht. Krems ist der einzige bekannte Ort, wo er vorkommt“, so Scheuch. Das milde Klima, das dem Wein guttut, behage auch dem Skorpion.

privat
Ist fasziniert von Skorpionen und möchte mehr über den Kremser Skorpion – den nördlichsten Vertreter seiner Art – in Erfahrung bringen: Biologe Martin Scheuch (Hochschule fürAgrar- und Umweltpädagogik).

Krems und den Skorpion verbindet eine lange Geschichte: Eigentlich stammt der Triestiner Skorpion, wie sein Name verrät, aus Oberitalien und wurde im Mittelalter importiert, da er als Heilmittel gegen die Pest galt: „Es gibt Rezepte, für die man eine gewisse Zahl lebender Skorpione brauchte“, erzählt Scheuch.

Auch in Tschechien habe es aus diesem Grund einst Skorpione gegeben, aber dort seien sie wieder ausgestorben: „Die Kremser Skorpione sind aktuell die nördlichste Population ihrer Art.“

Bereits im Mai gelang Scheuch bei einem nächtlichen Rundgang mit Schülern der Nachweis einiger Skorpione mittels Schwarzlichtlampen – auf dem Langenloiserberg. Vor Kurzem wurden einige Einwohner befragt und im Bereich Wienerstraße, Sigleithenstraße, Langenloiserstraße und Beethovenstraße zahlreiche Fragebögen verteilt.

Scheuch hofft auf weitere Hinweise aus der Bevölkerung, wo Skorpione gesichtet wurden, um im Frühling mit den Schülern gezielt suchen zu können: „Vielleicht gibt es auch Hinweise für die Wachau oder für Stein.“ Abschließend ist eine gemeinsame Publikation geplant.

Gefährlich sei der Kremser Skorpion nicht, betont Scheuch: „Er benutzt seinen Stachel nur selten, und wenn, ist es weniger schlimm als ein Wespenstich.“

Hinweise erbeten per E-Mail an: kremser.skorpion@gmail.com