Krems: Prozess gegen Ex-Sicherheitsberater fortgesetzt. In Krems ist am Freitagvormittag der Verleumdungsprozess gegen einen ehemaligen Sicherheitsberater fortgesetzt worden. Im Mittelpunkt standen die Aussagen von Zeugen und das Gutachten eines Sachverständigen. Mit Spannung erwartet wurde die Befragung von Julian H., dem mutmaßlichen Drahtzieher des Ibiza-Videos. H. gilt in dem Verfahren als Geschädigter und soll am Nachmittag via Videokonferenz zugeschaltet werden.

Von APA / NÖN.at Erstellt am 23. Oktober 2020 (11:25)
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Im Mittelpunkt des Verfahrens steht ein vermeintlicher Industriespionagefall im Umfeld des Bahnbaumaschinen-Herstellers Plasser & Theurer (PT). Der nun angeklagte 48-jährige Ex-Sicherheitsberater hatte 2016 Selbstanzeige erstattet und darin den Vorwurf erhoben, dass ein österreichisches Konkurrenzunternehmen von ihm und seinem Team - dem auch Julian H. angehört haben soll - ausspioniert worden sei. Die Staatsanwaltschaft Krems nahm daraufhin Ermittlungen gegen 13 Beschuldigte auf, darunter auch zwei Chefs des Traditionsunternehmens.

Die Ermittlungen gegen die PT-Chefs und weitere Personen wurden eingestellt, ein Fall wurde diversionell erledigt. Die Staatsanwaltschaft klagte den Niederösterreicher daraufhin wegen Verleumdung und Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Handlung an. Zu beiden Vorwürfen bekannte sich der 48-Jährige beim Auftakt des Prozesses im September - ebenso wie zu einem angelasteten Betrug - nicht schuldig. Die ebenfalls angeklagte grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen gab der Mann zu.

Vorgetragen wurde am Freitag ein Sachverständigengutachten, das sich mit der Geschäftsgebarung jener GmbH beschäftigte, bei der der Angeklagte als Geschäftsführer fungiert hatte. Bereits im Jahr 2009 habe eine schlechte Finanzlage geherrscht, das Unternehmen sei überschuldet gewesen. "Ab 2009 bestand ein hohes Insolvenzrisiko", erklärte der Gutachter.

Als Zeugin skizzierte eine ehemalige Angestellte die finanzielle Lage im Unternehmen als angespannt. Ein Geschäftspartner gab Einblick in die beruflichen Praktiken des Angeklagten, der ihn in Geldangelegenheiten immer wieder vertröstet haben soll.

Die Befragung von Julian H. war nach Angaben der vorsitzenden Richterin für 13.30 Uhr geplant. Für Prozessbeobachter und Medienvertreter dürfte der Zeuge jedoch nur zu hören sein. Das TV-Gerät mit der Bildübertragung der Videokonferenz wurde so platziert, dass es nur vom Schöffengericht und den Rechtsvertretern einsehbar ist.