Statistik: Droß hat die meisten Pendler. Bürger und Lokalpolitiker sprechen über die Pendlersituation. Statistik Rechercheplattform Addendum hat Pendlerzeiten und -wege in NÖ ausgewertet.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 10. Dezember 2019 (05:42)
„Lieber pendeln als nach Wien ziehen“: Norbert Fock aus Langenlois pendelt bereits seit 26 Jahren täglich nach Wien. Ein Umzug in die Bundeshauptstadt kam für ihn nicht in Frage. Bei weiteren Strecken brauche man mit den Wiener Öffis genauso lang wie mit dem Zug aus NÖ. 1.800 Euro an Pendlerkosten fallen bei ihm jährlich an. Foto: Johannes Mayerhofer
Johannes Mayerhofer

Norbert Fock ist, was das tägliche Pendeln angeht, ein wahrer Veteran. „Ich bin seit 26 Jahren aus beruflichen Gründen am Pendeln“, erzählt der Langenloiser. Er ist als Verwaltungsbeamter im Bildungsministerium tätig, sein täglicher Weg führt ihn also von der eigenen Haustür in Langenlois zum Minoritenplatz 5 im ersten Wiener Gemeindebezirk.

Das Transportmittel seiner Wahl ist der Zug. Das hat einige ganz pragmatische Gründe: „Sie wollen nicht wissen, was da für Summen zusammenkommen für einen täglichen Parkplatz in Wien.“

Zwar zahle er monatlich 150 Euro an die ÖBB, aber das rechne sich noch eher als das Auto. Außerdem fahre er in der Regel recht zeitig los, sei oft schon ab halb sechs in der Früh unterwegs. Da sei es für ihn angenehm, während der über einstündigen Fahrt noch etwas dösen zu können. „Das Pendeln ist nichts, was ich lieb gewonnen habe, aber es ist eben eine Notwendigkeit für mich“, berichtet Fock nüchtern.

Wo befinden sich die Pendler-Hotspots?

So wie Norbert Fock müssen tausende Bürger im Bezirk Krems ihre Heimatgemeinde in Richtung Arbeits- und Ausbildungsplatz verlassen. Umfassende Daten der Rechercheplattform „Addendum“ geben detaillierten Einblick in die Struktur der pendelnden Bevölkerung und der Pendlerbewegungen im Bezirk. So listet „Addendum“ unter anderem jene Gemeinden mit dem höchsten Pendleranteil an der erwerbstätigen Bevölkerung.

Platz eins im Bezirk Krems hält die 1000-Einwohner-Gemeinde Droß, wenige Kilometer nördlich von Krems, mit rund 85 Prozent Pendleranteil im Jahr 2017. Zwar gab es aus zeitlichen Gründen bis zum Redaktionsschluss kein Statement des Droßer Bürgermeisters Andreas Neuwirth (ÖVP), allerdings ist bekannt, dass Droß zu den stark wachsenden Gemeinden des Waldviertels gehört. Seit 2001 stieg die Bevölkerung von 778 auf 1.018 Bewohner an (plus 31 Prozent), viele davon junge und erwachsene Erwerbstätige. Darüber hinaus beheimatet Droß selbst nur wenige Firmen, was die Notwendigkeit zum Auspendeln erklärt. Dicht hinter Droß folgen Hadersdorf-Kammern und Gedersdorf.

Ebenso wenig überrascht, welche Gemeinden und Städte sich am unteren Ende der Pendlertabelle finden lassen: So muss nur knapp die Hälfte der Erwerbstätigen aus Krems-Stadt pendeln, der Anteil lag 2017 bei 46 Prozent. Als wirtschaftliche Zentren sind Städte eher Ziel und nicht Heimstätte von Pendlern. Welche Rolle spielt das Pendeln für die Stadtpolitik? „Die Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes zu gewährleisten ist auch Aufgabe der Politik“, meint der Kremser Bürgermeister Reinhard Resch. Er verweist auf die verbesserte Zugverbindung Krems – St.Pölten, die heuer eröffnete Park & Ride-Anlage in Gneixendorf und die Parkanlage in der Kremser Strandbadstraße.

„Nach Wien zu ziehen war nie ein Thema“

Die „Addendum“-Daten zeigen noch mehr Interessantes. So ist der Pendleranteil von 1991 bis 2017 in Lichtenau von 53 auf 74, und in Jaidhof von 57 auf 76 Prozent gestiegen. Die beiden Gemeinden verzeichneten damit die stärksten Wachstumsraten. Was die Dauer der täglichen Wegstrecke angeht, so müssen die Pendler aus Krumau am Kamp mit durchschnittlich 45 Minuten am längsten im Zug, Bus oder Auto sitzen. Freuen können sich jedoch die Gedersdorfer: Sie brauchen im Durchschnitt nur 25 Minuten und belegen damit den letzten Platz.

Norbert Fock kann darüber nur lächeln, denn sein Pendlerweg kostet ihn etwa 80 Minuten. Zumindest mit Verspätungen hat er nur selten Probleme. „Und selbst wenn, dann ist das nicht so schlimm, weil ich in Gleitzeit arbeite“, erklärt er. Sehr viele seiner etwa 1.100 Arbeitskollegen im Ministerium würden ebenso von außerhalb Wiens kommen, etwa aus dem Burgenland. Nach Wien zu ziehen war jedenfalls nie Thema für Fock. „Wenn man dort am falschen Fleck wohnt, braucht man mit den Öffis genauso lang wie von Langenlois.“

Dieser Pendler-Report wurde mit Daten der Rechercheplattform „Addendum“ der Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH erstellt.

Umfrage beendet

  • Stehen für NÖ-Pendler ausreichend öffentliche Verkehrsmittel zur Verfügung?