Maroni-Mann Stippich: „Für manche war ich Psychiater“. Roman Stippich steht seit 50 Jahren im Maronistand am Täglichen Markt in Krems. Die NÖN bat das Urgestein zum Interview.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 25. Oktober 2020 (06:18)
Roman Stippich alias „Dr. Maroni“.
Johann Lechner

Wir schreiben das Jahr 1971: Der Vietnamkrieg war noch am Laufen und Bruno Kreisky errang mit der SPÖ die absolute Mehrheit bei der Nationalratswahl, als Roman Stippich in Krems seinen Maronistand eröffnete.

50 Winter später ist Kreisky tot und der Krieg längst beendet. Der unverwüstliche „Dr. Maroni“, wie Stippich ab und zu anerkennend genannt wird, ist noch immer da. Die NÖN traf den 71-Jährigen zum Jubiläumsinterview.

Sie feiern heuer mit Ihrem Maronistand das 50-Jahr-Jubiläum. Hätten Sie sich am Anfang vorstellen können, das so lange zu machen?

Stippich: Eigentlich nicht. Das ist schon etwas Besonderes, und ich bin auch stolz drauf.

Sie ließen einmal anklingen, nach 50 Jahren aufhören zu wollen. Ist das Ihr letztes Jahr?

Danach sieht es aktuell nicht aus. Ich fühle mich kerngesund und würde daher gerne noch zwei oder drei Jahre anhängen.

Könnte der Stand ohne Sie überhaupt funktionieren?

Jeder Mensch ist zu ersetzen. Natürlich ist es bei mir ein bisschen anders. Nach 50 Jahren kenne ich jeden und habe mittlerweile auch sechs Bürgermeister überlebt. Es ist bei mir auch immer ein Austausch von Neuigkeiten da. Wer auch immer meinen Stand irgendwann übernimmt, muss sich das erst einmal erarbeiten.

„Psychiater Dr. Schultes hat einmal zu mir gesagt: „Wenn Sie Ihre Hütte aufsperren, habe ich um die Hälfte weniger Kunden.““

Was ist heute in der Innenstadt anders als vor 50 Jahren?

Ich habe noch die goldene Zeit der Fußgängerzone erlebt. Die gibt es jetzt leider nicht mehr. Wir haben alle zu kämpfen, auch ich. Die Umsätze sind drastisch gefallen, und jetzt kommt auch noch Corona dazu. Es ist nicht so „leiwaund“.

Sie haben in Ihrer Zeit in Krems unzählige Stammgäste und Freunde gewonnen. Man hört, Sie sind oft auch Kummerkasten für die Menschen. Wie gefällt Ihnen diese Rolle?

Ich habe für jeden ein offenes Ohr. Es soll bei mir ganz locker runtergehen. Der Psychiater Dr. Schultes hat einmal zu mir gesagt: „Wenn Sie Ihre Hütte aufsperren, habe ich um die Hälfte weniger Kunden.“ Also für manche war ich auch schon Psychiater. Ich kann mich mit dieser Rolle identifizieren. Natürlich weiß ich da oft schon, wenn ich in der Ferne wen sehe, was auf mich zukommt.

In Krems stehen einige spannende Projekte an. Hinter Ihrem Maronistand soll noch heuer das Restaurant „Marktspiel“ eröffnen. Wie stehen Sie dazu?

Ich finde das ganz super. Das kann nur eine Aufwertung für die Innenstadt sein. Ich verstehe mich mit Otto Raimitz sehr gut. Er legt mir nichts in den Weg und ich ihm auch nicht. Ich hoffe, dass er ein gutes Geschäft macht, weil er ja auch etwas riskiert. Er wird sicher Leute in die Stadt bringen – so wie es auch der kleine Maronibrater macht.

Was machen Sie eigentlich in Ihrer Freizeit?

Ich bin leidenschaftlicher Modellbauer. Sonst habe ich allerhand vor. Ich habe zwei Oldtimer, will Rad fahren an der Donau und vielleicht kaufe ich jetzt auch noch ein Haus. Wenn ich also wirklich einmal aufhöre, werde ich sicher keinen Pensionsschock haben, zumal ich ja noch immer mit meinem Sohn die Karusselle habe.