Seifenblasen statt Feuerwerk: Sommernachtsgala in Grafenegg

Erstellt am 24. Juni 2022 | 08:54
Lesezeit: 3 Min
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Wolkenturm Grafenegg
Foto: NOEN, Andreas Hofer
Im Wolkenturm von Grafenegg ist - nach verregneter Generalprobe - die alljährliche Sommernachtsgala am Donnerstagabend bei Kaiserwetter über die Bühne gegangen: mit dem Tonkünstler-Orchester NÖ unter Yutaka Sado und namhaften Solisten, ohne Feuerwerk (eine sympathische Entscheidung), dafür mit fragilen Seifenblasen - sowohl optisch als auch musikalisch.
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Wie stets stand zu Beginn ein komplimentreiches Gespräch zwischen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und Rudolf Buchbinder, künstlerischer Leiter in Grafenegg. Mit einer schmissigen "Candide"-Ouvertüre von Leonard Bernstein ging es in den von Teresa Vogl moderierten und vom ORF aufgezeichneten Abend, wobei sich das Orchester auch bei Rossinis Intermezzo aus "Guglielmo Tell", beim Faust-Walzer von Gounod und Gershwins Ouvertüre zu "Of thee I sing" von seiner besten Seite zeigte.

Die junge österreichische Trompeterin Selina Ott ließ bei einem Satz von Vladimir Peskin und in Hermann Bellstedts "Funicoli funicola"-Paraphrase "Napoli" ihr Können aufblitzen. Als etwas indisponiert wurde hingegen Erwin Schrott angekündigt: ein Umstand, dem einige Programmpunkte zum Opfer fielen. Doch entschädigte Schrott mit der unwiderstehlich charmant interpretierten Registerarie aus "Don Giovanni" und einer sehr firmen Wiedergabe des Latin-Klassikers "Besame Mucho". Wie überhaupt die sogenannte "leichte Muse" an diesem Abend einiges Übergewicht erlangte.

Dazu trug insbesondere das Repertoire von Marlis Petersen bei, die sich nach "Cäcilie" von Richard Strauss im Operettenfach betätigte und bei Fred Raymonds "Wenn die Zigeunergeige singt" aus "Die Perle von Tokay" den Csardasklischees frönte, um dann mit "Where is it written?" aus dem Film "Yentl" auf Barbara Streisands Spuren und durch die Publikumsreihen zu wandeln, Gershwins "I got rhythm" recht flockig servierte und schließlich mit "Somewhere over the Rainbow" einen sentimentalen Schlusspunkt setzte. Mit dem bekannten Marsch "Pomp and Circumstance" von Edward Elgar kehrte die Gala musikalisch zum traditionell festlichen Ausklang früherer Konzerte zurück.

(Grafenegg, Sommernachtsgala. Weitere Aufführung am Freitag, 24. Juni um 20.15 Uhr. ORF 2 überträgt zeitversetzt ab 21.20 Uhr. Radio NÖ strahlt das Konzert am 26. Juni ab 20 Uhr aus, 3SAT bringt eine Aufzeichnung am 16. Juli ab 21.45 Uhr. Weitere Information unter grafenegg.com)

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