Herrschaft zu Jaidhof „aufgeweckt“

Erstellt am 25. Juni 2022 | 05:39
Lesezeit: 3 Min
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Das Gut Jaidhof war das eine oder andere Mal auch Motiv historischer Ansichtskarten. Im Bild die Ansicht von Südwesten, aufgenommen vom Turm des Schlosses Jaidhof. In der Bildmitte ist die 1912 bis 1913 errichtete Reitschule zu sehen.
Foto: Archivbild: Gut Jaidhof/ Heimatbuch Jaidhof/ Walter Enzinger
Herrschaft zu Jaidhof prägte Waldviertel über Jahrhunderte. Guntard Gutmann erweckte Gut aus dem Dornröschenschlaf.
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 Wurden von der „Herrschaft zu Jaidhof“ einst Ländereien von der Wachau bis Gars am Kamp verwaltet, so präsentiert sich das heutige Gut Jaidhof nach der turbulenten Geschichte zweier Weltkriege in neuem Glanz.

Große Gebiete des Waldviertels zählten bereits im zehnten Jahrhundert zum Jagdbesitz der Babenberger, ab dem 13. Jahrhundert ist der Sitz in Jaidhof nachweisbar. Das Gut Jaidhof wurde 1884 von Wilhelm Isaak Wolf Ritter von Gutmann gekauft. Er war ein klassischer Industrieaufsteiger der K.u.K.-Monarchie jüdischer Abstammung, der durch den Ankauf von Kohlegruben und dem Handel mit Kohlen Erfolge einfuhr. Später investierte er mit Baron Anselm von Rothschild in die Witkowitzer Eisenwerke. Die Einführung von Sozialleistungen für die Arbeiter war ihm von großer Bedeutung.

Max Ritter von Gutmann erbte 1895 den Besitz Jaidhof. Das in die Jahre gekommene Gut wurde von ihm um 1900 mit Architekt Max von Ferstel aufwendig renoviert. Ferstel hatte bereits für den umfangreichen Umbau des Schlosses Jaidhof im Jahr 1884 verantwortlich gezeichnet. Auch der Innenraum des Festsaals der Veterinärmedizinischen Universität Wien wurde von ihm gestaltet. Am Gut Jaidhof entstand eine Gärtnerei, Meierei, Tischlerei, Wagnerei, Sattlerei, ein eigenes Elektrizitätswerk sowie eine Betriebsfeuerwehr. Weiters wurden in dieser Zeit die Drescherhütten errichtet, die als Wohnraum für die Arbeiter dienten. Das Anwesen war in den ersten Jahren des „neuen“ Niederösterreichs ein wesentlicher Impulsgeber für die wirtschaftliche Entwicklung der Region.

1930 übernahmen Wolfgang und Rosa von Gutmann den Betrieb. Sie wurden 1938 vom Nazi-Regime enteignet. Nach dem Krieg war das Anwesen von der Roten Armee besetzt. Die Familie Gutmann kaufte den Forstbetrieb 1948 zurück, die Industrieanlagen in Osteuropa waren jedoch verloren. Rosa von Gutmann veräußerte im Laufe der Jahre viele Teile des Waldes an die Österreichischen Bundesforste und vererbte das Schloss Jaidhof an die Priesterbruderschaft St. Pius X. Nach ihrem Tod am 24. November 2003 übernahm Großneffe Guntard Gutmann den Betrieb.

Er startete schließlich ab 2008 ein umfangreiches Sanierungsprogramm aller Objekte des Guts Jaidhof und führte es der heutigen Nutzung zu.

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