Krems

Erstellt am 06. November 2018, 05:56

von Martin Kalchhauser

Betrüger zocken ab, Polizei warnt: Großangriff auf PCs. Polizei warnt vor Hackern und Mails, mit denen Erpresser zu Geld kommen wollen.

Das Internet birgt Gefahren – für Private ebenso wie für Unternehmen, wie sich zuletzt auch in unserer Region gezeigt hat.  |  Shutterstock/Von Kletr

Massenhaftes Auftreten von erpresserischen E-Mails veranlasst die Polizei zu eindringlichen Warnungen vor Internet-Betrügern. Sie verlangen Geld für angeblich konsumierte Leistungen (Besuche auf kostenpflichtigen Seiten) oder drohen mit der Veröffentlichung kompromittierender Daten des Betroffenen.

„Anzeigen – und auf keinen Fall zahlen!“

Wer zahlt, hat schon verloren. „Die Chancen, dass man der Täter, die meistens im Ausland sitzen, habhaft wird, sind sehr gering“, warnt Bezirkspolizeikommandant Manfred Matousovsky davor, zu schnell nachzugeben. Und er ermuntert dazu, derartige Betrugsversuche – auch wenn noch kein Schaden entstanden ist – zur Anzeige zu bringen.

Von der regelrechten „Welle“ solcher Mails in den vergangenen Tagen waren unter anderem ein pensionierter Polizist und ein Jurist einer Gemeinde betroffen. Sie gingen aber auch an allgemeine Mailadressen von Gemeinden, die nicht einer einzelnen Person zuzuordnen sind.

Die Erpressungsversuche, bei denen gedroht wird, kompromittierendes Foto- oder Videomaterial vom jeweiligen PC an die Öffentlichkeit zu bringen, werden als „Sextortion“ bezeichnet und kamen zuletzt ebenfalls gehäuft vor.

„Es empfiehlt sich, jedenfalls eine Anzeige bei der örtlich zuständigen Polizeiinspektion zu machen“, appelliert auch der Sicherheitskoordinator im Bezirk Krems, Herbert Goldnagl, beizutragen, dass die Dunkelziffer in dieser Verbrechenssparte möglichst gering gehalten werden kann. Er hat ein Mail mit Warnungen und Tipps (siehe unten!) an alle Gemeinden im Bezirk und weitere öffentliche Stellen ausgesendet.

Winzer als Opfer eines Betrugs in großem Stil

Die Gewohnheit, dass viele bei verschiedenen Anwendungen die gleichen, oft einfache Passwörter (Geburtsdaten!) verwenden, mache es den Gaunern leichter. In den jüngsten Mails wurden zur Untermauerung der Forderungen mitunter Passwörter genannt, die das potenzielle Opfer tatsächlich verwendet.

Einem Betrug in großem Stil ist ein Parade-Winzerunternehmen aus der Wachau zum Opfer gefallen. Dieses lieferte Wein im Wert von fast 30.000 Euro an einen Kunden in Los Angeles (Kalifornien, USA). Dieser bekam eine „Zahlungserinnerung“ und fiel auf das täuschend echt gefälschte Auftreten dieses Betrügers herein.

Im Endeffekt landete das gesamte Geld für den Wein auf einem fremden (spanischen) Konto – und wird wohl nicht mehr zurückzuholen sein. „In diesem Fall wurde offenbar der Mailverkehr des Verkäufers mit dem Käufer gehackt“, meint ein Ermittler.