Edith Blaschitz: „Krems ist eine Stadt der Frauen“. Edith Blaschitz sprach mit der NÖN über die neue Schau im museumkrems und die beeindruckenden Töchter der Stadt.

Von Petra Vock. Erstellt am 02. Mai 2021 (05:05)

Im museumkrems startet demnächst die neue Ausstellung „Wo sind sie geblieben? Die Frauen von Krems“. Idee und Konzept stammen von Kulturwissenschaftlerin Edith Blaschitz (Donau-Universität) und Martina Scherz (Kulturverein „raumgreifend“). Blaschitz gab der NÖN einen Vorgeschmack.

Im Zuge der Suche nach denkwürdigen Kremserinnen sind mehr als 100 Frauen gefunden worden. Werden sie alle in der Ausstellung präsentiert?

Edith Blaschitz: Es gibt sowohl eine Gesamtliste als auch Repräsentantinnen zu den verschiedenen Kapiteln der Ausstellung.

Gibt es Besonderheiten des Kremser Frauen-Alltags?

Krems war eine Stadt, die Frauen wegen der Arbeitsmöglichkeiten angezogen hat. In der Tabakfabrik waren fast nur Frauen tätig.

Was für Spuren haben diese Frauen hinterlassen?

Im öffentlichen Raum und in den Geschichtsbüchern kommen sie kaum vor. In den Zeitungen werden Aktionen von Kremser Frauen zweimal genannt: 1886/1887 waren die Kremser Tabakarbeiterinnen unter den ersten Fabriksarbeiterinnen in Österreich, die gestreikt haben – das war sehr speziell. Und 1909 gab es einen Fleischboykott der Kremser Hausfrauen aufgrund einer extremen Preiserhöhung. Dessen Anführerin Leopoldine Pokorny wurde sogar in der Zeitschrift „Die Fackel“ von Karl Kraus erwähnt.

Gibt es eine Kremserin, die Sie besonders beeindruckt hat?

Eine Person, die mich sehr berührt hat, ist Angela Langer, ein Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen mit einem enormen Bildungshunger. Sie wurde Schriftstellerin, weil das ihre eigentliche Berufung war. Oder die Widerstandskämpferin Leopoldine Puhl. Es gab eine ganze Gruppe von Tabakarbeiterinnen, die im Widerstand waren.

Gab es im Zuge dieses Projektes etwas, das Sie überrascht hat?

Was mich überrascht hat, war, wie sehr die Frauen um 1900 schon beruflich tätig waren – wir zeigen in der Ausstellung auch eine Auflistung aus dem Gewerbekataster 1903. Ich nehme insgesamt an, dass die meisten der von uns vorgestellten Frauen den Kremsern wahrscheinlich völlig unbekannt sind. Es wird also viel Überraschendes und Neues für das Kremser Publikum dabei sein. Krems ist eine Stadt der Frauen, aber die Frauengeschichte ist nie geschrieben worden, sie blieb unsichtbar. Dabei gab es so viele beeindruckende Persönlichkeiten. Fast täglich stoßen wir auf neue Namen.

Das Projekt soll nach der Ausstellung weitergehen. Inwiefern?

Wir laden in der Ausstellung dazu ein, Informationen und Kontaktdaten zu hinterlassen, wenn jemand weitere Frauen kennt oder Informationen hat. Neue Erkenntnisse werden auf der Webseite r aumforscherinnen.at ergänzt.

Inwiefern ist es für die Gegenwart wichtig, diese Frauengeschichte zu erzählen?

Viele dieser Frauen haben es trotz schwieriger Bedingungen geschafft, das zu machen, was sie machen wollten, sie sind beispielgebend auch für die Gegenwart. Ein besonders interessantes Kapitel der Ausstellung ist der NS-Zeit gewidmet. Die Frauen, die wir hier präsentieren, zeigen, dass es auch in schwierigen Zeiten unterschiedliche Handlungsoptionen gibt.