Göttweig: Columban ist 10 Jahre Abt. Göttweigs Abt Columban Luser im Gespräch über die bisherige Zeit, die Kirche und seine Zukunft.

Von Isabel Schmidt. Erstellt am 15. September 2019 (06:11)
Johann Lechner
„Kaum zu glauben, sind schon wieder zehn Jahre vorbei“, sagt Abt Columban Luser vor dem Interview vor der Stiftskirche.

Zehn Jahre ist es her, dass Columban Luser zum 65. Abt des Stift Göttweig gewählt wurde. Im Interview mit der NÖN anlässlich des Jubiläums blickte er auf verschiedene Veränderungen zurück.

NÖN: Ihr Wahlspruch vor zehn Jahren lautete „Gott ist Gemeinschaft“. Welche Bedeutung hat das heute für Sie?

Columban Luser: „Deus communio est“ ist mein Wahlspruch auf Lateinisch. Dieser Wahlspruch ist mir heute wichtiger denn je. Mir geht es darum, dass wir erkennen, dass die Urgemeinschaft, die es gibt, aus der alles wächst, die Gemeinschaft des dreifaltigen Gottes ist.

Welche Veränderungen konnten Sie während Ihrer Abtszeit hier im Stift Göttweig beobachten?

Die Veränderungen der letzten Jahre sind innerer und äußerer Natur. Etwas, das man natürlich sofort sieht, was alle beobachten konnten, war die äußerliche Veränderung des Stiftes durch das neue Dach, bei der so viele mitgeholfen haben. Dafür bin ich noch immer sehr, sehr dankbar. Zudem sind uns in diesen Jahren sehr gute, wertvolle Mitarbeiter zugewachsen, die auf ihre Weise das Haus mitprägen und gestalten. Ob im Tourismus, in der Wirtschaft oder in der Gastronomie, da hat sich sehr viel zum Besseren verändert, das ist deutlich spürbar. Natürlich hat es auch im Konvent Veränderungen gegeben, es sind einige gestorben, sieben an der Zahl. Es sind auch einige Neue mit frischem Wind dazugekommen. Auch das ist optisch eine Veränderung, die unübersehbar ist.

„Ich bin überzeugt davon, dass die Kirche morgen eine ganz andere als die heutige sein wird.“Abt Columban Luser

Wie gefällt Ihnen das klösterliche Leben?

Grundsätzlich fühle ich mich sehr wohl. In einem klösterlichen Leben gibt es immer Tage, die von Freude geprägt sind, und Tage, an denen es einiges auszuhalten gibt. Insofern ist unser Leben im Kloster nicht anders als das Leben, wie es anderen Menschen auferlegt ist.

Gibt es generelle Veränderungen in der Kirche, die Sie sich wünschen würden?

Wünschen kann man sich viel. Ich neige dazu, und so lege ich auch meine Seelsorge in meiner kleinen Pfarre Unterbergern an, dass das Engagement der Laien als Träger des Evangeliums eine höhere Gewichtung bekommen sollte. Ich denke, dass die „Priester-Zentrierung“ der Kirche aufs Gesamte gesehen nicht gut ist. Ich bin überzeugt davon, dass die Kirche morgen eine ganz andere als die heutige sein wird.

Sie wurden für zwölf Jahre zum Abt des Stiftes Göttweig gewählt. Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

In allen Benediktinerklöstern Österreichs haben wir die Praxis, dass vor jeder Wahl festgelegt wird, ob auf zwölf Jahre oder auf Lebenszeit gewählt wird, das bedeutet, bis zum Alter von 70 Jahren. Für mich stehen also zwei Markierungen an: die eine in zwei Jahren, die andere in ein paar Jahren zu meinem 70. Geburtstag. Eine Frage wird sein, ob die Gemeinschaft weiterhin Interesse hat, dass ich dieses Amt wahrnehme. Für mich stellt sich dann auch die Frage: Bin ich fit und was tut sich noch bis dahin? Es steht dann sicherlich von meiner Seite, aber auch von der Gemeinschaft eine Entscheidung an. Das ist aber alles noch offen. Als Mönch habe ich es mir abgewöhnt, Pläne zu haben, die weiter reichen als morgen.