Schafe in der Wachau – und viele Schmetterlinge

Schäfer Franz Reiterlechner aus Scheibbs zog Bilanz über das erste Jahr Schafbeweidung in der Wachau.

Gertrude Schopf Erstellt am 09. Oktober 2021 | 06:59
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Schafbeweidung im Naturschutzgebiet Höhereck.
Foto: Franz Reiterlechner

Zehn Wochen lang waren von Juli bis September insgesamt 160 Schafe auf neun verschiedenen Trockenrasenflächen in Dürnstein, St. Michael und Spitz „stationiert“, um etwa elf Hektar Wiesen zu beweiden und deren weitere Verbuschung zu verhindern.

„Es waren zum Teil widrige Bedingungen“, zog Franz Reiterlechner, Bio-Landwirt aus Scheibbs und Besitzer der Schafherde (Kärntner Brillenschafe und Krainer Steinschafe), Projekt-Bilanz. Schlechte Futterqualität und hohe Temperaturen machten den Schafen am Anfang (am Höhereck in Dürnstein) zu schaffen. Mit Pkw und Anhänger mussten die Tiere von einer Weidefläche auf die andere überstellt, Wasser und Strom (für die Zäune) herbeigeschafft werden.

„Die Zusammenarbeit mit Gemeinden und Anrainern hat gut funktioniert“, halfen Familien und Winzer aus – in Spitz beispielsweise sorgte Karl Bracher immer wieder einmal kurzfristig für die Schaf-Aufsicht. Reiterlechner musste sich außerdem AMA- und Bio-Kontrollen unterziehen („alles sehr bürokratisch ...“), er sieht dieses erste Projektjahr als Probebetrieb, der schlussendlich gelungen ist. Am Setzberg in Spitz kamen sogar Drillinge zur Welt, und dass beim Abtrieb durch den Ort ein paar Pelargonien aus Blumenkisterln vor den Häusern verspeist wurden, war dann eher Nebensache.

Was der Schäfer beobachtet hat: Einerseits den Biodiversitätsverlust – durch Mulchen etwa werde der Lebensraum von vielen Insekten zerstört –, andererseits habe er selten so viele verschiedene Schmetterlinge gesehen, „wie in meiner Jugend“.

Eben diese Biodiversität zu erhalten ist Zweck des Beweidungsprojektes. Etwa 60 Hektar Trockenrasenflächen gibt es laut Projektleiter Schutzgebietsbetreuer Hannes Seehofer in der Wachau, die unter anderem auch von Freiwilligen händisch gemäht und gerecht werden.

Der Verein Welterbegemeinden Wachau sorgte gemeinsam mit der REWE-Stiftung Blühendes Österreich und dem Land NÖ für die Finanzierung des Schafbeweidungsprojektes, das im kommenden Jahr (wieder mit Franz Reiterlechner) wiederholt werden soll.