Vor 15 Jahren: Land unter Wasser im Bezirk Krems. In den ersten Augustwochen des Jahres 2002 führten Donau, Kamp und Kremsfluss gleichzeitig Hochwasser.

Von Karl Pröglhöf. Erstellt am 08. August 2017 (05:19)
Lechner, NÖN-Archiv
Im Unterlauf des Kampflusses wurden Gebäude und landwirtschaftliche Flächen (im Bild: Brunn/Feld) großflächig unter Wasser gesetzt.

Heuer stöhnen die Bewohner der Region unter der Tropenhitze. Vor 15 Jahren gab es in den ersten August-Wochen weit größere Probleme...

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In Zöbing bahnte sich der Kamp ein zusätzliches Flussbett durch das Haus von Maria und Adolf Kniewallner.

Dauerregen mit immensen Niederschlagsmengen führte dazu, dass (zuerst) Kamp und Kremsfluss, dann auch die Donau Hochwasser in einem ungeahnten Ausmaß führten und dadurch weite Landstriche meterhoch unter Wasser standen.

Eine Jahrhundertflut, die noch immer in den Köpfen der Betroffenen steckt. Von den Schäden an Häusern, Betrieben und an der Infrastruktur, die damals auf rund eine halbe Milliarde Euro geschätzt wurden, ist nichts mehr zu sehen.

Doch die Landschaft hat sich verändert. Dutzende Hochwasserschutzprojekte wurden seither projektiert und umgesetzt. Wichtig und zumeist unauffällig sind Schutzmauern im sensiblen Weltkulturerbegebiet der Wachau, die im Notfall wie in Krems-Stein mit Elementen aus Aluminium erhöht werden können.

Lechner, NÖN-Archiv
Nur durch das Auflegen von Sandsäcken auf die Schutzwände und Sicherungsmaßnahmen mit Tonnen von Felsbrocken bei einem Damm unterhalb der Donaubrücke konnte eine Überflutung von Stein und Krems verhindert werden. Seither wird eine Erhöhung der mobilen Schutzwand gefordert.

„Seit dem großen Hochwasser wurden in der Region 208 Millionen Euro in vorbeugende Schutzmaßnahmen investiert, für weitere Projekte sind in den nächsten Jahren zusätzliche 87 Millionen veranschlagt“, verweist Landtagspräsident Hans Penz auf die immensen Anstrengungen, damit es zu keinem „Dejá vu“ kommen kann.

Denn in den Köpfen der Betroffenen, aber auch der vielen Helfer bei der Beseitigung der Schäden sind die Bilder der Katastrophe nach wie vor präsent.

Die Fluten kamen in zwei Wellen

Eine Katastrophe, die sich im Zeitraffer folgendermaßen abspielte:

Dienstag, 6. August 2002: Schwere Regenfälle mit bis zu 200 Litern pro Quadratmeter lassen im Waldviertel erste Bäche über die Ufer treten.

Mittwoch, 7. August: Am Vormittag weisen auch der Kamp und die Krems stark steigende Pegel auf. Die Bezirkshauptmannschaft Krems löst Hochwasseralarm für das Kamptal aus. In Krumau kommt es zu ersten Überflutungen durch den Kamp. Schönberg und Zöbing versinken in den Fluten. Der Krems-Fluss sorgt im Kremstal für Verwüstungen und setzt Teile des Kremser Stadtgebiets, besonders die Mitterau, unter Wasser.

Donnerstag, 8. August: In den frühen Morgenstunden kommt es unterhalb von Hadersdorf zu Dammbrüchen und weitflächigen Überflutungen des nördlichen Tullnerfeldes (Etsdorf, Haitzendorf und Brunn) sowie des Bereichs um Rohrendorf. Mehrere Ortschaften im Kamptal, darunter Zöbing, Schönberg und Langenlois, stehen unter Wasser. Menschen werden evakuiert und müssen teilweise mit Helikoptern gerettet werden.

Freitag, 9. August: Das Nachlassen der Niederschläge bewirkt eine Entspannung des Wasserstandes. Am oberen Kamp beginnen die Aufräumarbeiten. Am unteren Kamp ist die Lage weiterhin kritisch. Schließlich werden Dämme gesprengt, damit das Wasser in die Donau abfließen kann.

Sonntag, 11. August: Weitere Regenfälle werden prognostiziert. Die Bezirkshauptmannschaft löst Hochwasseralarm für den Einzugsbereich Krems aus.

Dienstag, 13. August: Die Wasserabgabe aus den Kamptalwerken muss erhöht werden – eine zweite Flutwelle trifft die Kamptalgemeinden. Die Donau überschreitet den Pegelstand des Hochwassers von 1954. Weite Teile der Wachau stehen unter Wasser. Krems bleibt aufgrund der mit Sandsäcken erhöhten Schutzwand trocken. In Stein kann ein drohender Dammbruch beim Ruderklub in der Nacht in letzter Minute verhindert werden.

Mehr als 10.000 Menschen evakuiert

Die Folgen des Jahrhunderthochwassers waren verheerend. Mehr als 10.000 Menschen mussten aus Sicherheitsgründen evakuiert werden. Ihre Häuser standen unter Wasser, der Strom war ausgefallen, die Telefonnetze waren zusammengebrochen. Einige Bewohner, darunter eine hochschwangere Frau, mussten mit dem Hubschrauber in Sicherheit gebracht werden. Die Evakuierten fanden bei Freunden und in mehreren Notunterkünften Zuflucht.

Arg in Mitleidenschaft gezogen wurde die Infrastruktur. Wasser- und Abwasserrohre wurden unterbrochen, Straßen, selbst die Schnellstraße Krems- Wien, unterspült und wie die Kremstalstraße zwischen Krems und Rehberg für Monate unpassierbar. Die Kamptalbahn musste ihren Betrieb einstellen. Bei Thurnberg wurde eine Straßenbrücke über den Kamp von den Fluten zum Einsturz gebracht.

Viele Helfer bei den Aufräumarbeiten

Als die Wassermassen nach und nach abzogen, zeigte sich bei den Aufräumarbeiten eine Welle der Hilfsbereitschaft. Es waren nicht nur die Feuerwehrleute und Soldaten, die mit Schaufeln und Scheibtruhen die Bewohner bei der Beseitigung des Schlamms aus ihren Häusern unterstützten. Es waren viele freiwillige Helfer, auch aus anderen Bundesländern, die kräftig Hand anlegten. Zwischen Langenlois und Kufstein ist auf diese Weise sogar eine Städtepartnerschaft entstanden.

In den folgenden Wochen wurde vor allem die EVN kritisiert. Sammelklagen wurden angedroht. Der Vorwurf: Man hätte in Ottenstein zu spät und zu wenig Wasser aus dem Stausee abgeleitet, wodurch die Rückhaltekapazitäten fehlten. Berechnungen haben ergeben, dass selbst ein leerer Stausee durch die Wassermassen drei Mal gefüllt worden wäre.