Impfung als Moralfrage

Piusbrüder wettern gegen die Corona-Impfung. Ausgerechnet in der Hauptsitz-Gemeinde Jaidhof ist die Impfquote niedrig.

Erstellt am 15. Dezember 2021 | 04:02
Lesezeit: 2 Min
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Das Schloss Jaidhof befindet sich seit 1985 im Eigentum der Piusbruderschaft. Mehrmals pro Woche finden hier auch Messen statt.
Foto: Piusbruderschaft

Der Vatikan hat der Corona-Impfung früh seinen Segen gegeben. Sie sei „moralisch akzeptabel“, verkündete das Online-Portal „Vatican News“ im Dezember 2020. Anderer Meinung ist da eine weltweit präsente Glaubensgemeinschaft, die von Schloss Jaidhof aus ihre Interessen in Österreich, Tschechien, der Slowakei und anderen Staaten vertritt. Die Piusbruderschaft und insbesondere ihr Distrikoberer, Pater Stefan Frey, gehören zu den fundamentalen Impfgegnern.

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Pater Stefan Frey.
Fundamentaler Impfgegner: der Oberste der Piusbrüder in Österreich, Pater Stefan Frey.
Foto: Piusbruderschaft

Und nicht nur das: Die konservativen Traditionalisten, die in der römisch-katholischen Kirche seit 1975 keinen kanonischen Status genießen und die Corona-Pandemie als „Lektion Gottes“ ansehen, raten ihren Anhängern von der Impfung ab. Man komme nicht umhin, von einer „moralischen Bedenklichkeit der derzeitigen Covid-Impfung sprechen zu müssen und zu mahnen, sich der Impfung nicht zu unterziehen, ausgenommen im Fall einer echten Notlage“, schreibt Frey in einem Artikel für die Website der Piusbruderschaft. Moralisch bedenklich deswegen, weil die Entwicklung von Impfstoffen mit Abtreibungen zusammenhänge. Wer sich impfen lasse, unterstütze „die abscheulichen Machenschaften einer skrupellosen Pharmaindustrie“, mein Frey.

Tatsächlich ist es so, dass in der anfänglichen Entwicklung der Vektorimpfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson Zellen verwendet wurden, die aus zwei vor Jahrzehnten abgetriebenen Föten stammen. Das teilt Bernd Kerschner vom Department für evidenzbasierte Medizin der Donau-Universität Krems auf Nachfrage mit. Diese Zellen werden seitdem für unterschiedlichste Forschungen im Labor vermehrt, ohne dass weitere Föten dafür notwendig wären. Für die Produktion der Impfstoffe bedürfe es keiner fötalen Zellen. 

Nach Predigt: „Kinder haben fast Todesangst“

Ausgerechnet im unmittelbaren Wirkungskreis der Piusbrüder ist die Durchimpfungsrate niedrig. Nur 55 Prozent der Jaidhofer Bevölkerung hat ein gültiges Impfzertifikat. Das ist der niedrigste Wert aller Gemeinden im Bezirk Krems. Von einem „religiösen Hintergrund der Impfskepsis“ spricht ein 42-Jähriger, dessen Kinder regelmäßig Messen der Bruderschaft im Schloss besuchen. Sie hätten ihm berichtet, dass Pater Frey über Zwangsimpfungen mit schwerwiegenden körperlichen Folgen gepredigt habe, erzählt der Wiener.

Die Folge sei, dass die 9-jährige Tochter und der 7-jährige Sohn nun „fast Todesangst vor der Impfung“ hätten. Frey teilt, darauf angesprochen, mit: „Selbstverständlich ist es nicht mein Anliegen, jemanden zu verunsichern oder gar zu verängstigen.“ In den Predigten sei Corona „höchstens am Rande ein Thema“. Er glaube auch nicht, dass die Präsenz der Piusbruderschaft einen Einfluss auf die niedrige Impfquote in Jaidhof ausübt. Von den 1.222 Einwohnern komme schließlich nur „eine Handvoll“ zu den Gottesdiensten. In Jaidhof gab es früh während der Pandemie einen Cluster, der die Genesenen-Quote in die Höhe trieb. Auch später war immer wieder von vergleichsweise hohen Infektionszahlen die Rede.

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