Rekord-Kommandant Günter Leitzinger geht in Reserve. So lange wie Günter Leitzinger ist in ganz Österreich kein anderer im Amt. Nach 42 Jahren übergibt Jochinger FF-Chef sein Amt.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 19. August 2020 (05:40)
Günter Leitzinger, seit 1978 Kommandant der FF Joching, feiert am 19.August seinen 65. Geburtstag und verlässt deshalb die Kommandobrücke.
Fotos: Martin Kalchhauser

Umfangreiche Recherchen der NÖN haben die Vermutung bestätigt: Günter Leitzinger aus Joching ist österreichweit der dienstälteste Kommandant einer Feuerwehr. Weil er am 19. August seinen 65er feiert, muss er sein Amt übergeben. Sein Nachfolger – vorgeschlagen ist sein Sohn Christian – wird am 23. August gewählt.

Günter Leitzinger, der „schon als Kind mit der Feuerwehr mitgeübt“ hat, räumt seinen Platz als Aktiver.
Martin Kalchhauser

Seit dem 6. Jänner 1971 gehört der gesellige „Oldboy“ zu den Florianis. Mit 20 Jahren wurde er nach dem plötzlichen Tod Ferdinand Herzogs (damals 51) im Jahr 1976 Kommandant-Stellvertreter. Zwei Jahre später kam Leitzinger an die Spitze – und blieb es 42 Jahre lang. „Es war schon eine anstrengende Zeit damals“, erinnert er sich zurück. „Aber mein Weg in die Feuerwehr war vorgezeichnet. Wir haben als Buben schon immer Feuerwehr gespielt und sogar mit den damaligen Kameraden ,mitgeübt‘.“

„Ich würde es genauso wieder machen. Ich möchte das Erlebte nicht missen.“ Günter Leitzinger

„In fast 50 Jahren in der Feuerwehr erlebst du schon was“, meint der Hauptbrandinspektor, der auch als Unterabschnittskommandant (seit 1971), im Abschnitt und als Bewerter aktiv ist, auf die Frage nach besonderen Erinnerungen. Als er auf die Kommandobrücke kam, gab es einen Feuerwehr-Anhänger mit Traktor, später ein uraltes Funkgerät („Mit heute ist das nicht vergleichbar!“), ehe die Technisierung einsetzte. Leitzinger: „Die Veränderungen der nächsten Jahre können gar nicht mehr so intensiv sein!“

Zu den traurigen Momenten, die der Kommandant erlebt hat, gehört die Bergung eines 42-jährigen Kameraden, der 2004 bei einem Forstunfall am Seiberer ums Leben gekommen ist. „Wenn man den Gesichtsabdruck des Mannes im Waldboden sieht, ist das schon eine Sache, die sich einprägt.“ Auch drei sogenannte „100-jährliche“ Hochwässer – 1991, 2002 und 2013 – hat Leitzinger miterlebt. Beim jüngsten hat sich schon zum ersten Mal der neue Schutz bewährt.

„Überhaupt muss man sagen, dass Hochwasser- und Unwetter-Einsätze die Hauptaufgabe unserer Wehr sind. Brände haben wir kaum. Die Leute passen gut auf!“, streut er den Jochingern Rosen. Unter den positiven Erinnerungen sticht die an den Neubau des FF-Hauses heraus. Trotz des totalen Abrisses des Altbestandes war die Sache Ende September 1996 nach nur sieben Monaten erledigt.

Bei Großprojekten gilt ebenso wie bei Naturkatastrophen: „Wenn es drauf ankommt, halten die Jochinger zusammen!“ Weil alles perfekt läuft im Dorf, ließ sich der 64-Jährige vor zehn Jahren überreden, als Chef der aktuell 26 Aktiven und sieben Reservisten im Amt zu bleiben.

Seine Arbeit hat er bis heute nie bereut. „Ich würde es sicher wieder genauso machen“, weiß er, dass er für seine Tätigkeit in der Familie – Gattin Monika, mit der er seit 41 Jahren verheiratet ist, zwei Töchter (42, 31), ein Sohn (39) sowie vier Enkerl – stets 100-prozentigen Rückhalt hatte. „Ich möchte das alles nicht missen!“ Schwieriger sei es geworden, Nachwuchs zu finden, stellt der erfahrene FF-Mann fest. „Es gibt geänderte Interessen, viele Jugendliche verbringen viel Zeit vor dem Computer, und auch viele Vereine, etwa Sportvereine, werben um die jungen Menschen.“

Langzeit-Kommandant bleibt FF verbunden

2017 trat Günter Leitzinger nach 45 Jahren als Weinbau-Mitarbeiter bei der heimischen Firma Holzapfel („Ich bin immer zu Fuß in die Arbeit gegangen.“) in Pension. In wenigen Tagen beginnt auch die „FF-Pension“. Ganz zurückziehen wird sich der Jochinger aber nicht, auch wenn er derzeit noch keine Wehmut verspürt: „Ich habe so viele gute, ehrliche Leute kennengelernt, und es gibt so viele Kontakte, die sicher aufrecht bleiben. Und es gibt, auch bei uns, ein gutes Miteinander über die Generationen hinweg!“ Daher bleibe er der Feuerwehr auch weiterhin eng verbunden.

Schon jetzt freut sich der „Rekord-Kommandant“ auf die 130-Jahr-Feier der FF Joching, die ebenso wie der für heuer geplant gewesene Abschnittsfeuerwehrtag auf 2021 verschoben wurde. „Da werde ich ganz sicher dabei sein!“