„Kreativ“: Ist Gedesag-Baustelle eine Schmuggel-Basis?. Gedesag-Baustelle in Kasernstraße dient Unbefugten für Versuche, Handys über „Wäscheleinen-System“ in die Zellen der benachbarten Justizanstalt Krems einzuschleusen.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 19. Juni 2018 (05:44)
Johann Lechner
Der Ort des Geschehens: Die Justizanstalt Krems und die unmittelbar anschließende Baustelle. Foto: Johann Lechner

Selbst ein Hollywood-Drehbuch könnte die Vorgänge, die seit einiger Zeit um die Justizanstalt Krems passieren, nicht in den Schatten stellen. Dass immer wieder Handys und andere illegale Gegenstände in Österreichs Gefängnisse eingeschleust werden, ist kein Geheimnis. Die jetzt bekannt gewordenen Schmuggelversuche in der Kasernstraße sind aber in die Kategorie „äußerst kreativ“ einzuordnen.

„Die Baustelle verleitet regelrecht zu Schmuggelversuchen. Unsere Bedenken haben wir von Anfang an geäußert.“Roman Pachschwöll, stellvertretender Anstaltsleiter

Hintergrund: Neben der Justizanstalt Krems errichtet die GEDESAG derzeit eine neue Wohnhausanlage. Ist die Baustelle nach Feierabend oder an den Wochenenden gerade unbesetzt, verschaffen sich laufend Unbefugte Zutritt, um Häftlinge in den direkt angrenzenden Zellen per „Luftpost“ mit Handys zu beliefern.

„Das funktioniert über Schnüre, man muss es sich vorstellen wie eine Art Wäscheleinen-System“, erzählt ein Justizwachebeamter. Auf die Schmuggelversuche gestoßen sei man erst, nachdem Handys beim Transport unbeabsichtigterweise in den Hof der Justizanstalt abgestürzt seien.

„Das stimmt nicht“, sagt hingegen der stellvertretende Anstaltsleiter Roman Pachschwöll. „Jedes Mal, wenn ein solcher Versuch unternommen wird, wird Alarm ausgelöst. Deswegen hat noch kein einziger Insasse ein Handy über diesen Weg bekommen.“

Für Pachschwöll „verleitet die Baustelle“ regelrecht zu den Schmuggelversuchen. „Eine bessere Absicherung wäre wünschenswert. Es hat diesbezüglich auch die Kommunikation mit der GEDESAG gegeben. Unsere Bedenken zu dem Bau haben wir von Anfang an geäußert“, so Pachschwöll.

GEDESAG weiß nichts von Schleuser-Aktionen

Bei der GEDESAG war auf Nachfrage nichts über die Schleuser-Aktionen bekannt. „Die Baustelle ist aber relativ gut abgesichert. Es gibt ein eigens installiertes Personenerkennungsprogramm, mit dem der Polier die auf der Baustelle tätigen Arbeiter auf deren Rechtmäßigkeit überprüfen kann. Speziell an Wochenenden ist das unbefugte Eindringen von Personen aber schwer verhinderbar“, schildert Projektleiter Günter Russegger.

GEDESAG-Direktor Alfred Graf verweist bei der Absicherung außerhalb der Arbeitszeiten an die Justizanstalt: „Da kann das Areal nicht hermetisch abgeriegelt werden. Die Justizanstalt müsste Kontrollen oder Überwachungen selbst vornehmen. Nach Fertigstellung der Baustelle ist die Abschottung wieder gesichert.“ Der Fall sein soll das im Frühjahr 2019.

Für die künftigen Bewohner der 88 Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen, Maisonetten und Einheiten für Betreutes Wohnen soll die Nachbarschaft zum „Häfen“ übrigens kein Problem sein. „Die Planung hat die Gegebenheiten vorbildlich berücksichtigt. Der zur Justizanstalt gerichtete Baukörper ist mit einem geschlossenen und blickdichten Laubengang ausgestattet. Zusätzlich ist die gesamte Wohnhausanlage an den Außenfronten mit Portalen versperrt konzipiert“, so Russegger.