Einsatzgruppe: Die „Cobra“ der Justiz. Die Einsatzgruppe in Stein ist für die schweren Fälle zuständig. 50 Beamte gehören ihr an.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 07. März 2017 (05:33)
Im anstaltseigenen Trainingsraum trifft sich die Einsatzgruppe einmal wöchentlich.
Johann Lechner

Seit 20 Jahren gibt es mittlerweile die Justiz-Einsatzgruppe in den österreichischen Gefängnissen. Auch die Justizanstalt Stein besitzt einen solchen Elitetrupp, der von seiner äußerlichen Erscheinung der Spezialeinheit der Polizei, der Cobra, ähnelt.

Bei Eskorten zu Gerichtsverhandlungen müssen die Häftlinge in der Mini-Zelle des Einsatzgruppen-Wagens Platz nehmen.
Johann Lechner

50 Justizwachebeamte – also ungefähr 20 Prozent der gesamten Belegschaft – gehören der Einsatzgruppe in Stein an. Der Unterschied zu den „normalen“ Beamten: Sie haben eine Zusatzausbildung in den Bereichen Waffentechnik, Einsatztaktik, Nahkampf und ausgewählten Bereichen aus den Humanwissenschaften erhalten.

Alle Mitglieder der Spezialeinheit müssen sich außerdem einer jährlichen Fortbildung unterziehen, die das theoretische Basiswissen erweitern soll. „Dabei kommen immer wieder spannende Gastvortragende, die ihr fundiertes Wissen vermitteln“, schildert Justizanstalt-Pressesprecher und Einsatzgruppenleiter Oberstleutnant Günter Ropp.

Die Ausbildung zum Einsatzgruppen-Mitglied wird vom Ministerium organisiert und findet zumeist in Wien statt, manchmal auch in den Justizanstalten selbst.
In vier Blöcken zu insgesamt vier Wochen werden dort die Beamten auf Herz und Nieren überprüft.

Beherrschung einer Kampfsportart als gute Basis

Hat man die Ausbildung positiv absolviert, kann dann beim Anstaltsleiter – in Stein Generalmajor Bruno Sladek – die Aufnahme in die Einsatzgruppe beantragt werden. Der entscheidet dann mit seinem Team, ob der Beamte persönlich und fachlich dafür geeignet ist.

Voraussetzung ist allerdings eine weiße Weste, also keine Verurteilung zu einer Disziplinarmaßnahme und die abgeschlossene Grundausbildung.

Symbolbild
Johann Lechner

Eine gute Basis für eine Aufnahme in die Steiner Elitegruppe dürfte jedenfalls die Beherrschung einer Kampfsportart sein: „Die Hälfte unsere Elite-Beamten sind ausgebildete Kampfsportler, viele betreiben Judo oder Jiu-Jitsu. Einer von ihnen ist sogar Europameister in seiner Disziplin!“, ist Ropp stolz auf sein Team.

Einsatzgebiete des Elitetrupps können sowohl innerhalb als auch außerhalb der Justizanstalt liegen. Außerhalb der Mauern begleitet der Trupp als Eskorte gefährliche Häftlinge in Krankenhäuser und zu Gerichtsverhandlungen, innerhalb von Krems wird dabei mit der Polizei, außerhalb mit der Cobra zusammengearbeitet.

Erst bei den jüngsten Dschihadistenprozessen kamen die Elitebeamten wieder vermummt und schwer bewaffnet zum Einsatz. „Bei diesen haarigen Einsätzen bin ich dann auch immer dabei, da bin ich wahrscheinlich einer der wenigen Offiziere in ganz Österreich“, so Ropp.

In Hochsicherheitstrakt ist nur Einsatzgruppe

Tätigkeitsfelder der Einsatzgruppe innerhalb des Gefängnisses sind vor allem Vorführungen von Häftlingen beim Arzt oder zu einer Besuchsperson, aber auch das Einschreiten bei Raufereien. Ständige Präsenz zeigen die Mitglieder der Einsatzgruppe bei den gefährlichsten Gefängnisinsassen im Hochsicherheitstrakt. Insgesamt kommt es in einem durchschnittlichen Jahr zu 50 bis 100 Einsätzen des Elitetrupps.

Neben Ausstattung mit Helmen, Schutzwesten und Schildern ist die Einsatzgruppe schwerst bewaffnet: Pistolen, Sturmgewehre, Taser und Schlagstöcke mit integriertem Messer stehen zur Verfügung. Wöchentliche Trainings im eigens dafür ausgestatteten Raum im Untergeschoss der Justizanstalt und vier jährliche Schießtrainings sollen für den Erhalt der nötigen Fitness und Zielsicherheit sorgen. „Die Mehrzahl trainiert aber ohnehin in der Freizeit auch“, erzählt Ropp. Geübt wurde vor nicht allzu langer Zeit übrigens auch am Truppenübungsplatz Allentsteig mit Einsatzgruppen aus anderen Justizanstalten.

„Ich möchte meiner Mannschaft ein großes Lob aussprechen. Die Steiner Einsatzgruppe ist wirklich etwas Besonderes. Es steckt unheimlich viel Wissen dahinter“, freut sich Ropp.