Dichterin Helbich (94) veröffentlichte ihr letztes Buch. Mit 94 Jahren hat die im Kamptal lebende Schriftstellerin Ilse Helbich einen Gedichtband veröffentlicht, der ihr letztes Buch sein soll. Er trägt den Titel „Im Gehen“.

Von Petra Vock. Erstellt am 25. November 2017 (05:45)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Ilse Helbich veröffentlichte ihr letztes Buch.
privat

„Das Haus“, lautet der Titel eines ihrer Bücher, und es handelt von jenem alten Gebäude im Kamptal, das die aus Wien stammende Ilse Helbich als über 60-Jährige erwarb und renovierte.

Erstling erst im Alter von 80 Jahren herausgebracht

Seit drei Jahrzehnten lebt sie nun schon hier. Wie dieses Haus mit Garten zu seiner heutigen Gestalt fand und wie viel es ihr bedeutet, beschreibt sie in dem Buch „Das Haus“ (2009), das vor Kurzem neu aufgelegt wurde. Zur Sprache kommt darin übrigens auch das Hochwasser von 2002, das sich im Kamptal ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat.

Die Schriftstellerin in ihrem Garten im Kamptal.
Norbert Stadler

Entstanden ist der Großteil von Helbichs Büchern in der Veranda dieses Hauses im Bezirk Krems. Denn geschrieben und veröffentlicht hat sie zwar bereits als junge Frau, aber ihr erstes Buch, den autobiografischen Roman „Schwalbenschrift“, brachte sie erst im Alter von 80 Jahren heraus.

Bis 2017 folgten acht weitere Bücher, die bei Literaturkritikern im In- und Ausland viel Anerkennung fanden, zuletzt „Schmelzungen“ (2015). Das neue Buch „Im Gehen“ ist der erste und einzige Gedichtband und enthält in den 70er und 80er Jahren entstandene Lyrik sowie „späte Gedichte“ aus der Zeit im Kamptal.

„Ich habe ernsthaft vor, nicht mehr zu schreiben“

Der Titel „Im Gehen“ kann als Abschiedsgeste verstanden werden: „Ich habe ernsthaft vor, nicht mehr zu schreiben“, bestätigt die 94-Jährige im Gespräch. „Es ist gesagt, was zu sagen war. Das Andere, das jetzt ist, entzieht sich den Worten. Tief innen ist jetzt eine Melodie, die sich dem Nachsingen versagt“, lautet das Schlusswort des Gedichtbandes.

„Im Gehen“, das beschreibt auch die beim Wandern wahrgenommene Natur, die in vielen Texten Ausdruck findet: „Wenn man sehr lange unterwegs ist, wird einem diese Art des Sehens geschenkt“, erklärt Helbich dazu. „Als ich in Wien in einer Stadtwohnung gelebt habe, war ich sehr unglücklich, weil mir die Natur so sehr gefehlt hat.“

Hinter dem Garten im Kamptal steigen die Hügel des Manhartsberges an, und ihr regelmäßiger Spazierweg führt die Autorin den Kamp entlang. Das „Murmeln, das Singen des wandernden Flusses“, wird im letzten Gedicht beschworen, das sie geschrieben hat. Es trägt den Titel „Flaschenpost“ und entstand 2016. „Für mich sind alle Werke etwas wie eine Flaschenpost“, sagt Helbich dazu. „Man weiß nicht, ob sie ankommt.“