Wolfgang Mahrer: „Wahrheitssprecher, nicht Pressesprecher“

Erstellt am 03. August 2022 | 05:38
Lesezeit: 5 Min
440_0008_8429460_kre31grw_kls_mahrer_04_kre.jpg
In seinem Haus in Egelsee stellte sich KLS-Spitzenkandidat Wolfgang Mahrer (links) den Fragen von NÖN-Redakteur Franz Aschauer.
Foto: Foto ChristianLeneis
KLS-Spitzenkandidat Wolfgang Mahrer über seine Nähe zum Bürgermeister, Kommunismus und das Älterwerden.
Werbung

NÖN: FPÖ-Mann Werner Friedl scheidet mit der nun zu Ende gehenden Legislaturperiode als Gemeinderat aus, Sie werden damit wohl zum Senior in der Kremser Stadtpolitik. Wie gehen Sie mit dem Älterwerden um?

Wolfgang Mahrer: Für mich ist das der Rückblick auf ein gutes, erfülltes Leben, sowohl beruflich als auch politisch. Älterwerden ist für mich auch das Ansammeln von immer mehr Erfahrung. Die kann bitter sein: Ich habe meinen ältesten Sohn an Krebs verloren, jetzt hat meine Frau Kehlkopfkrebs. Man lernt daraus und kann dadurch andere Menschen mit ähnlichem Schicksal besser verstehen. Für mich ist das eine Verpflichtung, anderen zu helfen.

Wer kann Krems besser? Reinhard Resch oder Wolfgang Mahrer?

Mahrer: Resch macht es nicht schlecht, aber bei manchem hat er von mir dann schon ein Nein oder einen Einwand gebraucht. Er weiß genau, ohne die beiden Stimmen der KLS wäre er beim ersten Bürgermeister-Wahlgang gescheitert. Da haben sich ÖVP, FPÖ, ProKrems und Grüne gegen ihn verschworen. Ich habe das im letzten Augenblick überrissen. Normal haben wir uns immer der Stimme enthalten, aber in dem Fall haben wir für ihn stimmen müssen. Ein Bürgermeister, der erst im zweiten Wahlgang gewählt wird – diese Blamage wäre auf die Stadt zurückgefallen.

Die gebetsmühlenartige Aufzählung der angeblichen Sünden der ÖVP-Ära in Krems und das Abstimmungsverhalten der KLS, das sich in den meisten Fällen mit dem der SPÖ deckt, hat Ihnen den Ruf als Pressesprecher des Bürgermeisters eingebracht. Ist das fürdieWahlderKLSförderlich?

Mahrer: Ich habe das immer zurückgewiesen. Ich bin der Wahrheitssprecher und nicht der Pressesprecher. Mir geht es darum: Wenn jemand politische Lügen verbreitet, dann müssen die richtiggestellt werden. Ein Bürgermeister, der angegriffen wird, hat da seine Schwierigkeiten, weil er nicht so scharf schießen darf.

Warum distanziert sich die KLS mit ihrer Namensänderung von „Kommunisten und Linkssozialisten“ zu „Kremser Linke Stadtbewegung“ vom Kommunismus?

Mahrer: Wir distanzieren uns nicht, wir öffnen uns.

Als FPÖ-Gemeinderat Martin Zöhrer die KLS im Gemeinderat als Kommunisten und Linkssozialisten bezeichnete, reagierten Sie empört.

Mahrer: Ich selber bin 1991 aus der Partei ausgetreten. Wenn Herr Zöhrer nicht zur Kenntnis nehmen will, dass wir eine soziale Bewegung mit – zwar Kommunisten drinnen – aber auch anderen Linken sind, dann muss er sich Zwischenrufe gefallen lassen. Wir sind bei Werner Friedl auch nicht aufgestanden und haben geschrien: „Alter Nazi“ – was er auch nicht ist, ich kenne ihn sehr gut. Er ist ein Deutschnationaler.

Ist der Kommunismus nicht spätestens seit dem Wahlerfolg von Elke Kahr in Graz ohnehin wieder salonfähig?

Mahrer: Die KPÖ hat es geschafft, sich vom Stalinismus, der ein Verbrechensregime war, zu distanzieren. Es wurde nur nie in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen. Deswegen auch unsere Gegenwehr nach der Meldung des Herrn Zöhrer. Wir wollen diese Zuordnung zum Stalinismus nicht.

Die KLS ist mit Dringlichkeitsanträgen erfolgreicher als alle anderen Parteien. Braucht es dafür wieder die Rückendeckung der SPÖ?

Mahrer: Sie wissen, dass sie bei einigen Sachen unsere Zustimmung brauchen und sie wissen aber auch, dass wir ihre wollen. Das ist nicht Rückendeckung. Es hat nie ein Tauschgeschäft gegeben. Ich habe mich manchmal geärgert, wenn ich zu einem Dringlichkeitsantrag die Unterstützung der SPÖ nicht gekriegt habe. In einem Fall habe ich auch gesagt, wenn hier nicht das Gesetz Vorrang hat, sondern das Kapital, dann ist es aus, dann gibt es keine Unterstützung mehr. Das war bei der Debatte zum Abriss des Hauses an der Ecke Landstraße/Sparkassengasse so.

Mit den NEOS in Krems (NiK) tritt eine Liste an, die ebenso wie Ihre Partei auf Transparenz und Kontrolle pocht. Wird das der KLS Stimmen kosten?

Mahrer: Ich hoffe nicht. Wenn man sich die Liste anschaut, dann ist das eine reine Unternehmerpartei. Einer der größten Grundstücksspekulanten in Krems ist mit dabei. Jeder Unternehmer, der in die Politik geht oder diese finanziert, erwartet sich ein Geschäft. Das hat man bei der ÖVP und der FPÖ ganz groß gesehen. Dass die NEOS jetzt diesen Weg in Krems gehen, tut mir weh.

Mit welchen Themen möchte die KLS punkten?

Mahrer: Für mich ist im Moment, durch diese Vielzahl an Krisen, die soziale Absicherung der einkommensschwächeren Kremser Bürger absolut im Vordergrund. Ein weiteres wichtiges Thema ist der Krankenhaus-Neubau. Das Land muss endlich seine Blockade gegenüber Krems aufgeben. Die haben uns verraten. Dass die ÖVP da einfach schweigt und miese Sache mit dem Land macht, empört mich.

Die KLS geht mit sieben Kandidaten in die Wahl. Wie viele davon werden in den Gemeinderat einziehen?

Mahrer: Ich hoffe, dass wir unsere Mandate halten. Wenn eines dazukommt, haben wir sehr viel Freude darüber.

Weiterlesen nach der Werbung