Erstellt am 28. Dezember 2016, 03:59

von Udo Sagl

Justitia in der Zwickmühle. Udo Sagl über die aktuelle Entwicklung im „Fall Osberger“.

„Schuldig!“ Am einstimmigen Urteil gegen Helmut Osberger gab es vor sieben Jahren kaum einen Zweifel. Außer den beiden Verteidigern zweifelte wohl niemand daran, dass der Heurigenwirt den Bürgermeister von Spitz auf hinterlistigste Weise vergiftet hatte.

Lebenslange Haft für die Schuld am lebenslangen Wachkoma des Opfers – das schien eine gerechte Strafe zu sein. Doch jetzt plötzlich liegt ein Gutachten auf dem Tisch, das alles auf den Kopf stellen will. Das Institut für Rechtsmedizin in München bescheinigt, dass die ominöse Praline nicht als „Tatwerkzeug“ in Frage komme.

Wiederaufnahme – ja oder nein? Justitia steckt in der Zwickmühle. Denn der Schuldspruch über Osberger scheint durch eine deutliche DNA-Spur sehr, sehr kräftig untermauert zu sein. Und „genetische Fingerabdrücke“ gelten längst als nahezu 100-prozentiges Beweismittel.

Andererseits: Wenn das Gericht die von drei Uni-Professoren unterschriebene aktuelle Gift-Expertise einfach ignoriert, bleibt für immer der Verdacht (oder die Legende) „Fehlurteil“ im Raum stehen.