Eine Frage der Philosophie. Über Konkurrenzkämpfe zwischen den Pfosten.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 22. Oktober 2019 (02:30)

Torhüterduelle können eine ganze Nation bewegen. Das zeigt das Beispiel Deutschland. Man erinnere sich zurück, als Jens Lehmann im Vorfeld der Heimweltmeisterschaft 2006 ein erbittertes Duell mit Oliver Kahn führte. Am Ende setzte sich Lehmann gegen den fehleranfällig gewordenen „Titanen“ durch – und spielte eine starke WM. Knapp ein Jahr vor der Europameisterschaft ist bei Schwarz-Rot-Gold ein neuer Kampf ums Leiberl entbrannt, die Proponenten sind diesmal Manuel Neuer und Marc-Andre ter Stegen. Ihre Leistungen bei Bayern und Barcelona sind grandios.

Das Beispiel Deutschland zeigt: Konkurrenzkampf beflügelt. Und wie sieht es umgekehrt aus? Spielen Torhüter schwächer, wenn von hinten niemand Druck macht?

Nein! Das zeigt wiederum ein anderes Beispiel. Beim Kremser Sportclub ist Luca Ponner die unangefochtene Nummer eins. Das wurde ihm auch so vor der Saison kommuniziert. Dem 19-Jährigen verlieh das genau jenes Maß an Selbstvertrauen, das ein Torhüter braucht. Dass dieser Effekt eintritt, war nicht selbstverständlich. Nicht nur junge Spieler sind beim Aussprechen einer Stammplatzgarantie schon in andere Sphären abgehoben. Ponner ist das nicht. Das zeugt von seiner mentalen Reife.